Ein Jahr Kindertagesstätte in der Cité
Jede Menge zu erleben gibt es in der Kindertageseinrichtung des Scherer Kinder- und Familienzentrums, die bereits seit einem Jahr besteht.
Baden-Baden. Ein Jahr Kindertagesstätte (Kita) im Scherer Kinder- und Familienzentrum – Gelegenheit für die Verantwortlichen im Amt für Familien, Soziales und Jugend, auf die Anfänge zurückzublicken.
So fand eine erste Begegnung der Erzieherinnen des neuen Scherer Kinder- und Familienzentrums bereits im Juli 2009 statt. Mit den Lehrerinnen der benachbarten Grundschule Cité wurden die ersten Schritte im gemeinsamen Projekt Bildungshaus geplant. Als die Erzieherinnen im September 2009 offiziell ihre Arbeit antraten, gab es noch viel zu tun. Das pädagogische Konzept wurde diskutiert und zum Leben erweckt, Räume wurden als Bildungsräume gestaltet und Materialien bestellt.
„Die Mitarbeiterinnen zeichneten sich in der anstrengenden Vorbereitungsphase durch Engagement, Ausdauer und gute Arbeitsteilung aus und trugen maßgeblich zum guten Start am 28. September des letzten Jahres bei“, erinnert sich Ankica Rukavina, die Leiterin des Scherer Kinder- und Familienzentrums. „Inzwischen sind die damals fremden Gesichter sehr vertraut geworden. Die Erzieherinnen der verschiedenen Gruppen begegnen sich, koordinieren ihre Angelegenheiten – oft ohne viele Worte - und leisten sehr gute Betreuungs- und Bildungsarbeit in der Kindertageseinrichtung.“
Derzeit werden in der Kita 46 Kinder in drei Gruppen betreut. „Nach einer intensiven Eingewöhnungszeit fühlten sich die Kinder sehr schnell wohl in ihrer Kita und prägen den Tagesablauf stark mit“, berichtet Rukavina. Die Kinder haben ihre feste Gruppenstruktur: „Afrika“ ist die Gruppe mit der verlängerten Öffnungszeit, „Amerika“ die Ganztagsgruppe und in „Europa“ werden die Krippenkinder ganztags betreut.
Die morgendlichen Rituale in der eigenen Gruppe sind wesentlich für die Kinder. Hier wird gesungen, getanzt, erzählt und immer wieder viel gelacht. Vor kurzem unterhielten sich die Kinder in der Gruppe „Afrika“ zum Beispiel darüber, wem sie gerne die Hand geben würden: Es waren Figuren aus Geschichten und Märchen dabei, Kindergartenfreunde, weil „der ist cool“ oder ein Kind, das einer Kirsche die Hand geben und sie dann vernaschen wollte. Die Kinder werden ganz nebenbei zum Sprechen animiert und tragen selbstbewusst ihre Ideen vor der Gruppe vor.
Ankica Rukavina beschreibt den Tagesablauf in der Kindertageseinrichtung (nach dem morgendlichen Ritual in der eigenen Gruppe) wie folgt: „Ab 9:30 Uhr ist die Zeit der Bildungsbereiche. Jedes Kind entscheidet täglich neu, in welchem Bildungsraum es die nächsten eineinhalb Stunden verbringen möchte. Zur Auswahl stehen das Atelier, der Montessori-Raum, Bauen und Konstruieren, Mathematik/Naturwissenschaften, Rollenspiel/Theater/Musik oder die Bibliothek.
Die Erzieherinnen begleiten die Kinder in den einzelnen Bereichen und in ihren Spiel- und Lernerfahrungen. Jeden Tag bewegen sich die Kinder an der frischen Luft. Häufig im schön angelegten Außengelände der Kita, wo es viel zu entdecken gibt oder bei einem reizvollen Spaziergang in der näheren Umgebung. Dann haben die Kinder richtig Hunger und gehen zum Mittagessen ins Kinderrestaurant.
Das Bio-Essen aus der Kräuterküche in Karlsruhe wird täglich frisch angeliefert und lehrt die Kinder, dass ausgewogenes, gesundes Essen sehr gut schmeckt. Die Kinder, die noch ihren Mittagsschlaf brauchen, gehen dann in den Schlafraum. Die anderen nehmen am Ruheangebot teil und entspannen sich beim Vorlesen, einer Traumreise oder beim gegenseitigen Massieren. Der Nachmittag wird überwiegend gruppenintern gestaltet. Immer wieder initiieren die Erzieherinnen besondere Projekte wie etwa gruppeninterne Waldtage, ein Kunstangebot mit Grundschulkindern im Rahmen der Bildungshaus-Arbeit oder das Anlegen eines Gartens.“
Soziale Entwicklung der Kinder im Vordergrund„In der Krippe „Europa“ sieht der Alltag etwas anders aus: hier sind Rituale und feste Tagesabläufe noch stärker ausgeprägt. Die Kinder wissen genau, was wann passiert und freuen sich täglich, aufs Neue den Alltag gemeinsam zu meistern. Die Krippenerzieherinnen verfolgen die rasende Entwicklung der Kinder mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Während der Krippenzeit lernen die Kinder laufen, sprechen, krabbeln, essen und bauen intensive Beziehungen zu Erzieherinnen und besonders zu anderen Kindern auf. Gerade im Sozialverhalten machen die Krippenkinder frühe Erfahrungen:
echte Freundschaften entstehen, Konflikte werden ausgetragen und findige Strategien entwickelt. Mit etwa zwei Jahren sind die Kleinen fit für den Kita-Alltag bei den Großen und wechseln dann in die anderen Gruppen. Für die Erzieherinnen heißt es dann auch „los lassen“ und „Flügel geben“.“
„Viele positive Begegnungen gibt es im Familienzentrum auch mit der Elternschaft“, weiß Rukavina aus Erfahrung. „Ein besonders engagierter Elternbeirat unterstützt tatkräftig bei Festen, verkauft Speisen und Getränke, organisiert Vorträge und Flohmärkte, um letztendlich der Kita etwas Gutes zu tun.
Alle Eltern sind mit Freude und Engagement dabei, sei es bei Elternabenden oder anderen Veranstaltungen. Auch bei individuellen Entwicklungsgesprächen bezüglich der Kinder profitieren beide Seiten von einer sehr konstruktiven Zusammenarbeit, gerade auch wenn problematische Situationen miteinander gelöst werden. Somit sind viele Menschen an der gelingenden Arbeit beteiligt.“
Das erste Kindergartenjahr im Scherer Kinder- und Familienzentrum geht zu Ende. Kleine und Große freuen sich bereits auf den Start nach den Sommerferien, wenn auch die vierte Gruppe „Asien“ eröffnet und wieder neue Kinder und neue Erzieherinnen ihre Ideen in den Kita-Alltag mit einbringen.
Siehe auch: Familienzentrum

