"Vergiss-Dich-Nicht-Gruppe" entlastet Angehörige
Baden-Baden. „Meine Tante wollte anfangs nicht in eine Gruppe. Was soll ich denn bei all den alten Menschen“ schildert die Nichte der hochbetagten 83-Jährigen. „Schon beim ersten Treffen hat sie sich so wohl gefühlt, dass sie unbedingt sofort wieder hingehen wollte.“
Solche anfänglichen Ablehnungen sind bei Menschen mit Demenz häufig zu erleben, da meistens das eigene Alter nicht mehr wahrgenommen wird bzw. eine neue Situation Angst machen kann. Ist der erste Schritt getan, wird eine Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz sowohl für Angehörige als auch für die Betroffenen selbst sehr positiv, entlastend und gewinnbringend erlebt. Bis zu acht Personen können das Angebot im Mehrgenerationenhaus im Scherer Kinder- und Familienzentrum in der Breisgaustraße 23 nutzen.
Alle zwei Wochen samstags vormittags, auch in den Sommerferien, wird die sehr individuelle „Eins-zu-Eins-Betreuung“ angeboten. Das heißt, für jeden Gast steht eine betreuende Person zur Verfügung. In einem Vorgespräch klärt die zuständige Pflegefachkraft Theresia Schmid mit den Angehörigen die besonderen Vorlieben und Interessen. Um auf die Betroffenen adäquat eingehen zu können, fanden verschiedene Schulungen statt. Zudem gibt es regelmäßige Besprechungen für den fachlichen Austausch. Die Begleitung der Helfer wird professionell durch zwei Pflegefachkräfte sichergestellt .
In der „Vergiss-Dich-Nicht-Gruppe“ haben sich nicht nur hochbetagte Menschen eingefunden, sondern auch jüngere Personen mit einer früh beginnenden Demenz. Auch für den beispielsweise 48-jährigen Gast stellt die Betreuungsgruppe eine willkommene Abwechslung dar.
Der Vormittag wird in gemütlicher Runde gestaltet. Spielen, Singen, kreative Beschäftigungen, Bewegung und Angebote je nach Jahreszeit sorgen für Abwechslung. Wichtig sind gewisse Rituale im Programm, das sehr flexibel gestaltet werden kann. Es wird versucht, ein Stück weit Normalität für die Menschen herzustellen, indem eine Gemeinschaft angeboten wird, in der man sie Dinge machen lässt, die sie spüren lassen, dass sie noch etwas können und nützlich sind. Pflegende Angehörige erfahren in diesen drei Stunden eine Entlastung und können in der Zeit etwas für sich tun in der Gewissheit, dass ihr Angehöriger gut aufgehoben ist.
Laut Tanja Fröhlich, der Leiterin des Pflegestützpunktes der Stadt Baden-Baden, gab es bisher noch zu wenig Angebote für Menschen mit Demenz und Entlastungsmöglichkeiten für die pflegenden Angehörigen. In der täglichen Beratungsarbeit wird immer wieder festgestellt, wie wichtig solche Angebote sind und mögliche Kostenübernahmen durch die Pflegekasse oft nicht bekannt sind.
Weitere Informationen und AnmeldungBei Fragen rund um das Thema Pflege und Demenz können sich Interessierte an den Pflegestützpunkt unter Telefon (07221) 93-14 92 wenden. Das Betreuungsangebot lässt sich auch unregelmäßig in Anspruch nehmen. Es wird allerdings um Anmeldung gebeten, da die Plätze begrenzt sind.
Anmeldungen sind telefonisch im Familienzentrum, Telefon (07221) 93-14 90 0, Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr möglich.
Siehe auch: Pflegestützpunkt - Seniorenhilfe








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