Fächerdekoration mit Putten eine Blumengirlande haltend, Karl und Georg Gimbel, Mitte des 19. Jahrhunderts.
Foto: Stadtmuseum/Stadtarchiv Baden-Baden Fächerdekoration mit Putten eine Blumengirlande haltend, Karl und Georg Gimbel, Mitte des 19. Jahrhunderts.

Ferienaktion des Stadtmuseums: Der Fächer

Baden-Baden (11.09.2020). Zum Ende der Sommerferien präsentiert das Stadtmuseum Baden-Baden eine sechsteilige Serie zum Mitmachen. Jede Woche werden Objekte aus der Sammlung vorgestellt in Verbindung mit einer Gewinnspielaufgabe für Kinder.

Sehen und Gesehenwerden

Bereits bei den Gästen, die Baden-Baden im 19. Jahrhundert besuchten, spielte das Sehen und Gesehenwerden eine große Rolle. Da war es natürlich von Bedeutung, die richtigen Accessoires zu besitzen. Ein wichtiger Begleiter für die modische Dame war der Fächer. Er wurde nicht nur im Sommer gebraucht, um sich Abkühlung zu verschaffen, sondern gehörte auch bei Bällen, Konzerten und großen Gesellschaften zur Garderobe. Mit einem besonders kostbaren oder kunstvollen Fächer demonstrierte die Trägerin Wohlstand und Stilsicherheit. Außerdem konnte sie sich durch die Benutzung des Fächers kokett in Szene setzen.

Fächer waren bereits in der Antike gebräuchlich und es gibt sie in den unterschiedlichsten Formen und Materialien vom einfachen Pflanzenblatt, das zum Wedeln verwendet wird, bis hin zu kostbar geschmückten Exemplaren. Die heute bei uns bekannteste Art ist der halbrunde Faltfächer, der auf- und zugeklappt werden kann. Er stammt ursprünglich aus Asien und verbreitete sich ab dem 15. Jahrhundert in Europa. Im Barock und Rokoko waren kunstvoll verzierte Fächer feste Bestandteile der höfischen Damenmode.

Paris: Zentrum der Fächerindustrie

Nachdem Fächer im Zuge der Französischen Revolution für einige Zeit weniger gefragt waren, erfreuten sie sich ab den 1830er Jahren wieder großer Beliebtheit. Das Zentrum der Fächerindustrie war Paris, wo man auch hohe Stückzahlen für den Export herstellte. Als Verzierung der Fächerblätter waren zu dieser Zeit Motive besonders beliebt, die ihre Ursprünge in der Zeit des Rokoko hatten. Dazu zählten ländliche Feste oder Schäferszenen. Diese Bilder wurden entweder von Hand gemalt oder in der günstigeren Version als Druck gefertigt.

Für die großen Pariser Fächerhersteller arbeiteten viele Künstler und lieferten Entwürfe. Zu diesem Künstlerkreis zählten auch die Brüder Karl und Georg Gimbel aus Straßburg. Ihre Entwürfe waren sehr beliebt und wurden sogar auf der Weltausstellung in Paris 1855 ausgezeichnet. Seit den 1860er Jahren wohnten die Brüder in Baden-Baden in der Schlossstraße 18. Zwar erlangten sie vor allem mit ihren Fächerdekorationen Bekanntheit, doch stammen aus ihrer Hand auch Porträts, historische Szenen und Genredarstellungen, die sie wiederholt im Salon der jährlich stattfindenden großen Pariser Kunstausstellung zeigten.

Nachlass der Witwe Georg Gimbels

Dame mit Fächer und Blumenstrauß, Karl und Georg Gimbel, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.Bild vergrößern
Foto: Stadtmuseum/Stadtarchiv Baden-Baden Dame mit Fächer und Blumenstrauß, Karl und Georg Gimbel, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Aus dem Nachlass der Witwe Georg Gimbels erwarb das Stadtmuseum Baden-Baden 1906 mehrere hundert Zeichnungen der Brüder. Darunter befinden sich einige Entwürfe für Fächerdekorationen. Sie sind erkennbar an der charakteristischen Bogenform und zeigen unter anderem Blumenornamente und die beliebten ländlichen Szenen nach dem Vorbild von Gemälden des Rokoko.

Neben diesen Blättern zählen zu den Werken der Gimbels im Stadtmuseum auch historische und religiöse Motive sowie zahlreiche Figurenstudien. Einige davon dokumentieren die aufwändige Damenmode der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Zu sehen sind elegant gekleidete junge Frauen, zu deren Accessoires natürlich auch reich verzierte Fächer gehören.

Gewinnspielaufgabe für Kinder

Entwerfe deinen eigenen Fächer. Wie sieht er aus? Schickt Bilder – gerne auch witzig und originell – per Email an . Die besten Bilder werden prämiert. Platz 1: Freikarten für einen Besuch des Stadtmuseums mit Familie/Freunden sowie ein Welterbe-Memory; Plätze 2 und 3: Freikarten für das Stadtmuseum. Einsendeschluss ist der 23. September.