Gruppenbild auf einer grünen Wiese
© Gundi Woll/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord e. V. Freuen sich über die Auszeichnung des Obstguts Leisberg als „Naturpark-Partner“: der Leiter des städtischen Gartenbauamts Baden-Baden Markus Brunsing, Naturpark-Projektmanagerin Janina Hutt, Naturpark-Geschäftsführerin Yvonne Flesch, die Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Unterbeuern Waldtraud Nölle, der Leiter des städtischen Forstamts Baden-Baden Thomas Hauck und Vereinsmitglieder (v. r.).

Naturpark zeichnet Obstgut Leisberg in Baden-Baden für gelebten Naturschutz aus

Baden-Baden (06.05.2026). Naturschutz, Bildung und bürgerschaftliches Engagement: Das ist auf dem Obstgut Leisberg im Baden-Baden Stadtteil Lichtental gelebte Praxis. Zahlreiche Ehrenamtliche pflegen die mittlerweile rund 300 hochstämmigen Obstbäumen alter Sorten. In liebevoller Handarbeit entstehen aus den Früchten und Nüssen der Streuobstbäume sowie den für die Region typischen Heil- und Küchenkräutern aus dem eigens angelegten Kräutergarten Gelees und Chutneys, Dörrobst, Kräutertee, -likör und -salz, Waldnussschnaps, Kuchen sowie Apfelbrot – gebacken im Holzofen mit Naturpark-Mehl von der Zeller Mühle aus Ottersweier.

Bürgerengagement als tragende Säule

Für den Erhalt und die Pflege des für das Ökosystem wichtigen Lebensraums Streuobstwiese sowie die begleitende Bildungsarbeit hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord dem Obstgut Leisberg am Dienstag (5. Mai) das Prädikat „Naturpark-Partner“ verliehen. 22 Naturpark-Partner gehören mittlerweile dem Netzwerk an. In Baden-Baden sind es fünf. Das Prädikat Naturpark-Partner steht für gelebte Regionalität und eine nachhaltige Wirtschaftsweise. „Orte wie das Obstgut Leisberg zeigen beispielhaft, wie eine Gemeinschaft unsere Schwarzwälder Kulturlandschaft lebendig und zukunftsfähig gestalten kann. Durch die Pflege der Streuobstwiese und der damit verbundenen Bildungsarbeit leistet das Obstgut einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Schwarzwald und eines für unser Ökosystem wichtigen Lebensraums“, begründet die Stellvertretende Naturpark-Geschäftsführerin, Yvonne Flesch, die Auszeichnung. „Die Auszeichnung zum Naturpark-Partner ist ein Zeichen der Wertschätzung für dieses außergewöhnliche Engagement. Zudem macht sie das Obstgut als best-practice-Beispiel für die Öffentlichkeit sichtbar.“ Seitdem die Stadt Baden-Baden das Gelände im Jahr 2017 geöffnet und dem Verein der Bürgergemeinschaft Unterbeuern-Lichtental die Obstbäume zur Pflege und Bewirtschaftung übergeben hat, hat sich das Obstgut Leisberg zu einem lebendigen Treffpunkt entwickelt.

Lebensraum Streuobstwiese: aktiver Naturschutz

„Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die Streuobstwiesen zu einem privaten Anwesen. Später dienten sie der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Dann war die Fläche jahrelang für die Öffentlichkeit nicht zugänglich“, berichtet der Leiter des Gartenamts der Stadt Baden-Baden, Markus Brunsing: „Gemeinsam mit der Vereinsgemeinschaft haben wir das Gelände aus dem Dornröschenschlaf geholt. Man kommt aus der Stadt, geht bei der Lichtentaler Allee durch ein Tor und befindet sich in einer anderen Welt!“, schwärmt Brunsing. Heute kümmern sich zahlreiche Ehrenamtliche über Baumpatenschaften um die Pflege der 300 Obstbäume. „Es ist die Gemeinschaft, die uns ausmacht. Die Auszeichnung zum Naturpark-Partner trägt unseren Verein in die Zukunft“, fasst Waldtraud Nölle zusammen, Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Unterbeuern. „Über die Baumpatenschaften kommen viele Menschen aus der Stadt bei uns zusammen und pflegen die Streuobstwiesen. Wir leiten an beim Schnitt, der Ernte und beim Saftpressen. Der gemeinschaftliche Einsatz für dieses Kulturgut und den Erhalt der Artenvielflat verbindet“, führt Nölle aus.

Wissen bewahren und weitergeben

Eine der Baumpatinnen ist Cornelia Herold. „Mein Mann und ich wollten unserer Ersatzenkelin die Kulturlandschaft näherbringen. Gemeinsam haben wir eines der Feste im Obstgut Leisberg besucht. Meine Ersatzenkelin war so begeistert, dass wir gleich eine Baumpatenschaft abgeschlossen haben. Hier packen alle mit an. Davon lebt das Obstgut!“ Und genau dieses Miteinander sorgt auch dafür, dass sich das Obstgut ständig weiterentwickelt, betont der Leiter des Städtischen Forstamts, Thomas Hauck. „Das Obstgut ist ein tolles Beispiel für bürgerschaftliches Engagement auf städtischen Flächen und mit Unterstützung des Naturparks für den Erhalt der Schwarzwälder Kulturlandschaft.“ Das Obstgut Leisberg steht für konsequenten Naturschutz und begleitende Bildungsarbeit. Bei der Bewirtschaftung der Streuobstwiese setzt das Obstgut keine Dünge- und Spritzmittel ein. Statt auf maximalen Ertrag wird auf den Erhalt und die Verjüngung der Bäume geachtet. Bei Neupflanzungen werden bewusst alte, zumeist bedrohte und zunehmend klimaangepassten Sorten ausgewählt.
Das Gelände des Obstguts in Lichtental ist ökologisch besonders wertvoll. Es liegt in einem Wasser- und Naturschutzgebiet mit 16 Quellen. Zudem ist es Heimat zahlreicher Tierarten, wie etwa für den Feuersalamander. Für die Befruchtung der Obstbäume sorgen auch die Bienen von Demeter-Imker Erich Müller aus Bühl. Seinen Honig verkauft er u. a. auf Naturpark-Märkten. „Die Streuobstwiesen des Obstguts sind für mich als Imker ein Paradies. Diese einzigartige Kulturlandschaft, die hier vor uns liegt, steckt in diesem Glas Honig drin. Da schmeckt man die Streuobstwiesen!“, berichtet Müller. Seine Begeisterung für Honigbienen gibt er auch bei Bildungsveranstaltungen des Obstguts weiter.

Das Netzwerk an Naturpark-Partnern

Weitere Informationen

Zum Partner-Netzwerk gehören:

  • Biolandhof Reiser (Straubenhardt)
  • Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald (Bad Liebenzell)
  • Nationalparkregion Schwarzwald (Baiersbronn)
  • Aulachhof (Muggensturm)
  • Metzgerei Seeger (Kuppenheim)
  • Weingut Schloss Neuweier (Baden-Baden)
  • Bio-Weingut Maier (Baden-Baden)
  • Geroldsauer Mühle (Baden-Baden)
  • Obstgut Leisberg (Baden-Baden)
  • Weingut Kopp (Sinzheim)
  • Imkerei Cum Natura (Bühl)
  • Aspichhof (Ottersweier)
  • Zeller Mühle (Ottersweier)
  • Bio-Obsthof Schindler (Achern)
  • s‘Wilde Weingut (Sasbachwalden)
  • Dolle Frieders Burewirtschaft (Sasbachwalden)
  • Waldulmer WG (Kappelrodeck)
  • Jungbauernhof mit Bogenparcours Schwarzwald (Mühlenbach)
  • Naturpark Markt-Scheune (Berghaupten)
  • Hofgut Silva (Oberkirch)
  • Die Metzgerei (Gengenbach)

Interessierte Betriebe können sich an die Naturpark-Geschäftsstelle wenden. Weitere Informationen gibt es zudem auf der Naturpark-Webseite unter naturparkschwarzwald.de.