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Quellschächte unter der Erde mit frischem Wasser.
Frisches und klares Wasser aus dem Stadtwald: So sieht es unter der Erde in den Quellschächten aus.

Quellwasser wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung

Baden-Baden (16.08.2018). Der älteste Teil der Wasserversorgung Baden-Badens besteht aus den Quellen im Schwarzwald zwischen Roter Lache und Plättig. Diese Quellwasserversorgungsanlagen zählen zu den größten in der Deutschland.

Sie liegen in einem der ausgedehntesten kommunalen Waldgebiete und zeigen fassungs- und bautechnisch sehr interessante Aspekte auf. Die Größe und geographische Ausdehnung des Quellgebietes ist geologisch und hydrologisch gesehen dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass sich östlich von Baden-Baden im Schwarzwaldmassiv ein 15 km langer Quellhorizont erstreckt.

Wasserschutzgebiete sorgen für sauberes Wasser

Der Quellhorizont wird gebildet durch den leicht nach Westen geneigten Badener Granit, der etwa von der Roten Lache in 620 Metern bis zum Plättig auf eine Höhe von 780 Metern gleichmäßig ansteigt. Aus diesen Höhendifferenzen ergibt sich auch die Lage einer mit hydraulisch einwandfreiem Gefälle angeordneten Quellwassersammelleitung, an die alle Quellwasseranlagen angeschlossen sind.

Die Fassungsbauwerke bestehen aus langen Stollengalerien und über 40 Einzelbauwerken, in die das Wasser aus dem Felsgestein frei einlaufen kann. Aus dieser geologischen Herkunft bestimmt sich auch der Wassercharakter eines einwandfreien, vorzüglichen, weichen Quellwassers. Da die gesamten Fassungsanlagen im Wald hinter abgeschrankten Waldwegen liegen und weiträumige Wasserschutzgebiete ausgewiesen werden konnten, ist auch der hygienische Schutz gewährleistet.

Öffentliche Trinkwasserversorgung seit Ende des 19. Jahrhunderts

Als Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland die ersten kommunalen Wasserwerke entstanden, befasste man sich auch in Baden-Baden mit der Errichtung einer öffentlichen Trinkwasserversorgung. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte Baden-Baden nur eine sehr einfache Wasserversorgung.

Bis zu einer Einwohnerzahl von 6.000 begnügte man sich damit, wie auch an anderen Orten, einzelne Quellen in Stadtnähe zu fassen und das Wasser in Brunnen an verschiedenen Stellen der Stadt ausfließen zu lassen.

Quellschächte unter der Erde mit frischem Wasser. Daneben stehen eine Frau und ein Arbeiter.
Quellschächte unter der Erde mit frischem Wasser.

Wasserversorgung auf breiterer Basis

Erst in den Jahren 1864 bis 1874 wurde versucht, durch Fassung einiger unbenutzter Quellen in der nächsten Umgebung, beispielsweise am Staufenberg, im Steinwald, an der Lilienmatt, im Tiergarten und am Fremersberg, eine Wasserversorgung auf breiterer Basis zu verwirklichen. Die Anlagen sind zum Teil noch erhalten, vermochten jedoch schon bald den stetig steigenden Ansprüchen nicht mehr zu genügen.

Daher wurde im Jahre 1875 der Entschluss zum Bau größerer Quellfassungsanlagen gefasst und der Freiburger Ingenieur Lueger mit dem Projekt einer Quellwassergewinnung zwischen Scherrhalde und Kugelau beauftragt. Diese Anlagen sind heute noch voll in Betrieb.

Wasserverbrauch stieg rasch an

Man glaubte nach der Fertigstellung, als am 14. Juni 1878 zum ersten Mal den neuen Hydranten Wasser in riesigen Fontänen entströmte, dass durch die Zuleitung von 2.000 Kubikmeter pro Tag und dem Bau eines Wasserbehälters von 2.000 Kubikmetern Inhalt auf der Friedrichshöhe dem Bedürfnis der Stadt nach Wasser auf lange Zeit hinaus Rechnung getragen sei. Die Zahl der Wasserabonnenten betrug zu dieser Zeit schon 632.

Aber es zeigte sich sehr schnell, dass der Wasserverbrauch umso rascher anstieg, je bequemer das kostbare Nass zu erhalten war. Die Entnahme aus dem Wasserhahn war zweifellos müheloser, als das Wasser am Brunnen mit dem Eimer zu holen. Und noch eine Erfahrung zeigte sich alsbald als bitterer Wermutstropfen. Die Quellen ließen in heißen Sommern in ihrer Schüttung sehr rasch nach, gerade dann, wenn das erfrischende Nass am meisten benötigt wurde. Schon 1886 wurden deshalb entlang des bekannten Quellhorizontes weitere Quellen, die heutigen Harzbachquellen, gefasst. Die Zahl der Wasserabnehmer war im Jahr 1891 schon auf 882 angestiegen.

Grundwasserwerk in Sandweier als Lösung

In den Jahren 1901 bis 1902 wurden die heutigen Quellen 17 bis 29 zwischen Harzbach und Grimbach gefasst und eingeleitet, und bis 1905 folgten die Quellanlagen 30 bis 44 zwischen Grimbach und Unterplättig. Damit waren sämtliche Möglichkeiten im stadteigenen Wald ausgeschöpft. Alle Quellen am Westhang des Schwarzwaldmassives waren der Badener Wasserversorgung zugeführt. Die Lösung erbrachte das auf Sandweierer Gemarkung gelegene Grundwasserwerk.

Einige Zahlen: Die Schüttung der Waldquellen beträgt maximal 8.500 Kubikmeter Wasser pro Tag. Im heißen Sommer 2003 lieferten die Waldquellen nur noch 1.350 Kubikmeter pro Tag. Zurzeit sind es noch 2.345 Kubikmeter pro Tag. Die Gesamtjahresmenge beträgt zwischen 1.750.000 bis 2.000.000 Kubikmeter Wasser.