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Von links: Steffen Miller, Matthias Voigt, Iska Dürr und Bürgermeister Roland Kaiser
Von links: Steffen Miller, Matthias Voigt, Iska Dürr und Bürgermeister Roland Kaiser präsentierten die aktuellen Zahlen.

Zahlen des städtischen Armutsberichts aktualisiert

Baden-Baden (17.10.2018). Die Statistiken des 2015 erstmalig veröffentlichen städtischen Armutsberichts wurden aktualisiert. Anlässlich der „Aktionswoche gegen Armut“ der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände präsentierte Bürgermeister Roland Kaiser gemeinsam mit Iska Dürr, Steffen Miller und Matthias Voigt vom städtischen Fachbereich Bildung und Soziales die aktuellen Zahlen.

Armutsquote nahezu unverändert

Kaiser erläuterte, dass die Armutsquote nahezu unverändert sei. Etwa neun Prozent der Wohnbevölkerung lebe in Armut. Einem deutlich erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt seien Kinder, insbesondere aus Bedarfsgemeinschaften von Alleinerziehenden. Damit bewege sich die Kurstadt im baden-württembergischen Vergleich im Rahmen.

Im Vergleich mit den anderen Stadtkreisen sei Baden-Baden im vorderen Drittel zu finden. Die Stadt ergreife verschiedene Maßnahmen um den Herausforderungen zu begegnen. Neben fiskalischen Maßnahmen sei das soziale Miteinander ein elementarer Bestandteil der Bemühungen.

Zum Bericht

Der Bericht fokussiert insbesondere die Einkommens- und Lebenssituation von Menschen, die Sozialleistungen beziehen. Demnach leben in Baden-Baden momentan knapp 5.000 Menschen von Hartz IV oder anderweitigen Sozialleistungen, darunter auch 1.149 Kinder und 926 Senioren über 65 Jahre.

Ein deutlicher Anstieg zeigt sich bei der Zahl an Personen, die Arbeitslosengeld II beziehen. Ihre Zahl ist zwischen den Jahren 2014 und 2017 um gut zehn Prozent, auf 2.848 Personen gestiegen. Diese Entwicklung kann teilweise auf eine Zunahme der Wohnbevölkerung zurückgeführt werden.

Jugendliche und junge Erwachsene bilden größere Gruppe

Eine größere Gruppe der Leistungsempfänger in Baden-Baden bilden Jugendliche und junge Erwachsene. Knapp jeder sechste Leistungsempfänger ist jünger als 25 Jahre. Mit dem Projekt „AusWegweiser“ reagiert die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband und dem Jobcenter auf diese Entwicklung.

In einem weiteren Projekt werden junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 Jahren bei der Erreichung eines Schulabschlusses und dem beruflichen Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt.

Positive Entwicklung bei Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Eine positive Entwicklung ist bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zu beobachten. Nach Jahren hoher Zuwachsraten stabilisieren sich seit dem Jahr 2016 die Fallzahlen. In Baden-Baden wurden zuletzt 923 Personen erfasst, die ergänzend zur Alters- oder Erwerbsminderungsrente Leistungen vom Sozialamt erhalten.

Wird ausschließlich der Personenkreis berücksichtigt der Grundsicherungen im Alter bezieht, nahm die Fallzahl seit dem Jahr 2014 um acht Prozent ab. Diese positive Entwicklung möchte die Stadtverwaltung mithilfe kommunaler Maßnahmen weiterhin begleiten.

Wohnungsmarktlage und Obdachlosigkeit

Der Armutsbericht greift neben der sozialen Grundsicherung von Menschen die Themen Wohnungsmarktlage und Obdachlosigkeit auf. Trotz einer Vielzahl an Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsprojekten ist, entsprechend dem bundesweiten Trend, in Baden-Baden ein zunehmend angespannter Wohnungsmarkt festzustellen. Dies zeigt sich nicht nur an steigenden Mietpreisen für Wohnraum, sondern auch an einer zunehmenden Obdachlosenzahl.

Zwischen den Jahren 2014 und 2018 ist die Zahl von 137 auf 278 Fälle gestiegen. Vor diesem Hintergrund hat der Stadtkreis bereits im Jahr 2015 eine Fachstelle für Wohnungsraumsicherung eingerichtet. Sie verfolgt einen präventiven Ansatz und konnte bereits in einer Vielzahl von Fällen drohende Obdachlosigkeit abwenden.

Der aktualisierte Gesamtbericht wird im kommenden Frühjahr veröffentlicht.