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Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa spricht am Mikrofon
Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa: „Die Musik ist eine nach vorne gewandte Veränderungskunst. Ihre Kraft bedeutet unsere Freiheit.“

Das musikalische Erbe Europas mit der Welt teilen

Benedikt Stampa legt erstes Festspielhaus-Programm vor

Baden-Baden (19.03.2019). „Die Musik ist eine nach vorne gewandte Veränderungskunst. Ihre Kraft bedeutet unsere Freiheit.“ Mit diesem Bekenntnis stellte Baden-Badens designierter Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa sein erstes Programm für das größte deutsche Opern- und Konzerthaus vor.

Der 53jährige ist ab Juli offiziell künstlerisch für das Festspielhaus Baden-Baden verantwortlich. Die Saison 2019/2020 beginnt am 27. September mit John Neumeiers Inszenierung der Ballettoper „Orphée et Eurydice“ von Christoph Willibald Gluck.

Ein Sehnsuchtsort wird dringend benötigt

„Mir ist es wichtig, die Musik ernst zu nehmen und das musikalische Erbe Europas mit der Welt zu teilen“, so Benedikt Stampa. Dazu zähle es auch, Komponisten wie Beethoven, Bach oder Gluck nicht eindimensional als „unsere“ Künstler zu bezeichnen oder ihre Werke oberflächlich zu betrachten. „Beethovens Musik kommt nicht aus der Zuckerdose“, so Stampa, der den Komponisten zu dessen 250. Geburtstag in der kommenden Saison in das Zentrum seines Programms stellt.

„Baden-Baden war einst ein wichtiger Denk- und Diskussionsort für die ganze Welt. Diese Energie möchte ich für die Zukunft nutzen und sie in den bedeutenden Künstlern und Werken spiegeln. Das Publikum und die Künstler finden in Baden-Baden einen Sehnsuchtsort, der in unserer Zeit dringend benötigt wird – sei es zum ‚Zu-sich-finden‘ oder für die Debatte der großen Menschheitsthemen.“

Eine neue Dirigenten-Generation

In der Saison 2019/2020 wird in Baden-Baden insbesondere eine neue Generation von Dirigenten den Ton angeben. Kirill Petrenko, Teodor Currentzis, Andris Nelsons, Yannick Nézet-Séguin, Lahav Shani und Mirga Gražinytė-Tyla stehen ebenso am Pult bedeutender Orchester wie ihre hier schon gut bekannten Kollegen Sir Simon Rattle, Thomas Hengelbrock und Valery Gergiev.

Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern und „Fidelio“

Zum ersten Mal wird Kirill Petrenko 2020 die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden als Chefdirigent gestalten und mit „Fidelio“ auch Beethovens einzige Oper leiten. Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik wird die Oper in Baden-Baden neu inszenieren. Die Trägerin des österreichischen Nestroy-Preises betritt mit dieser Produktion die große Opernbühne.

In weiteren Konzerten der Osterfestspiele 2020 treten Yannick Nézet-Séguin, Tugan Sokhiev und Herbert Blomstedt an das Pult der Berliner Philharmoniker. Erstmals in der Geschichte des Orchesters führen Kammermusik-Ensembles sämtliche Streichquartette Beethovens innerhalb eines Festivals auf. Als Opern- und Jugendprojekt entsteht eine Neuinszenierung der Oper „Simplicius Simplicissimus“ von Karl Amadeus Hartmann.

Teodor Currentzis transatlantisch

Mit gleich sechs Konzerten ist der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis prominent im neuen Baden-Badener Festspielprogramm vertreten. „Teodor Currentzis wird sowohl mit dem SWR Symphonieorchester als auch mit seinem Ensemble musicAeterna in Baden-Baden den Bogen vom Barock bis in die Moderne schlagen“, so Benedikt Stampa. Zu den Pfingstfestspielen 2020 leitet Currentzis das Verdi-Requiem im Rahmen einer  besonderen Aufführung.

Als erster europäischer Koproduktionspartner des neuen New Yorker Kulturzentrums „The Shed“ präsentiert das Festspielhaus Baden-Baden das Requiem des italienischen Komponisten live musiziert zu bewegten Bildern des erst kürzlich verstorbenen Künstlers und Kunst-Film-Pioniers Jonas Mekas. In weiteren Konzerten dirigiert Teodor Currentzis die Requien von Wolfgang Amadeus Mozart und Gabriel Fauré. Dessen Requiem wird ebenfalls einen bildnerischen Rahmen erhalten. Hier arbeiten Teodor Currentzis und das Festspielhaus Baden-Baden mit dem britischen Medienkünstler Mat Collishaw zusammen.

Gewandhausorchester Leipzig mit Sommer-Residenz

Im Rahmen der Sommerfestspiele 2020 wird das Gewandhausorchester Leipzig eine Residenz in Baden-Baden beziehen. Chefdirigent Andris Nelsons leitet Bachs h-Moll-Messe, einen Bruckner-Abend sowie die Baden-Baden Gala 2020, die Johann Strauß gewidmet sein wird, der einst persönlich in Baden-Baden seine Walzer und Operetten vorstellte.

Valery Gergiev, der das Festspielhaus Baden-Baden als Dirigent 1998 eröffnete, leitet im Sommer 2020 gleich zwei konzertante Opern von Giuseppe Verdi: „Attila“ und „Der Troubadour“ beenden die Saison 2019/2020 an der Oos.

Festspiele und Programm-Inseln

Alle Baden-Badener Festspiele (Herbst-, Oster-, Pfingst- und Sommerfestspiele) werden in den kommenden Jahren weiterentwickelt. Die Pfingstfestspiele erhalten mit Klassikern der Moderne und neuen Aufführungsformen für klassische Werke als erstes Festival ein ganz neues Gesicht.

In Programm-Inseln zwischen den Festspielen kommt es zu besonderen Konzert-Wochenenden, etwa beim Wiedersehen mit Sir Simon Rattle und dem London Symphony Orchestra im Februar 2020. Neben Beethovens neunter Sinfonie steht dabei auch dessen selten zu hörendes Oratorium „Christus am Ölberge“ auf dem Baden-Badener Programm.

Von Bartoli bis Znaider

Zu den Solistinnen und Solisten der Saison 2019/2020 zählen in Baden-Baden Sängerinnen und Sänger wie Elīna Garanča, Marlis Petersen, Olga Peretyatko, Cecilia Bartoli, Diana Damrau, Renée Fleming, Jonas Kaufmann, Philippe Jaroussky und Ildar Abdrazakov.

Im Instrumentalbereich kann sich das Publikum auf Stars wie Lisa Batiashvili, Yuja Wang, Hélène Grimaud, Grigory Sokolov, Evgeny Kissin, Nikolaj Znaider, Leonidas Kavakos und Christian Tetzlaff, freuen – nur ein Ausschnitt aus dem ganzjährigen Programm.

John Neumeier präsentiert Oper

Zur Saisoneröffnung wird John Neumeier erstmals in Baden-Baden als Opernregisseur zu erleben sein. Seine Produktion von Glucks „Orphée et Eurydice“ kommt als großer Erfolg über Chicago und Hamburg in den Schwarzwald. Außerdem zeigt das Hamburg Ballett John Neumeiers „Beethoven-Projekt“ – ein biografisches Ballett, in das unter anderem Beethovens „Prometheus“-Ballettmusik und dessen dritte Sinfonie „Eroica“ verwoben ist.

Im Bereich Tanz setzt Benedikt Stampa außerdem die Zusammenarbeit mit dem Mariinsky Ballett St. Petersburg fort, das zu Weihnachten 2019 mit den Klassikern „Dornröschen“, „Der Nussknacker“ und George Balanchines „Jewels“ in Baden-Baden gastiert. Seinen 60. Geburtstag feiert das Nederlands Dans Theater im Sommer 2020 in Baden-Baden mit einem Überraschungsprogramm.

Bildungsprogramme weisen den Weg

„Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe in Baden-Baden“, sagt Benedikt Stampa, der dreizehn Jahre lang Intendant des Konzerthauses Dortmund war. „Die Stadt und das Festspielhaus-Team haben mich mit offenen Armen begrüßt“, so der 53jährige. „Ich möchte ganz bewusst an das bisher Geleistete im Festspielhaus anknüpfen und die Musikstadt Baden-Baden weiterentwickeln“, sagt Stampa, der unter anderem das Bildungsprogramm für Kinder- und Jugendliche und Erwachsene ausbauen möchte.

„Wenn wir die Botschaften der großen klassischen Komponisten ernst nehmen“, müssen wir sie gemeinsam mit dem Publikum von heute und morgen intensiver studieren. Auch darin kann Baden-Baden ein Sehnsuchtsort und der Salon des 21. Jahrhunderts werden.“

Der Vorverkauf läuft

Der öffentliche Vorverkauf für das Programm des Festspielhauses Baden-Baden 2019/2020 begann am Montag, 18. März. Telefonisch berät und reserviert das Service Center Ticketing unter der Telefonnummer 07221 30 13-10 1. Online sind Tickets über www.festspielhaus.de erhältlich.