Pressearchiv

Eine alte Aufnahme zeigt den Merkurwald 1999 am Tag nach dem Sturm Lothar: Viele umgestürzte Bäume liegen auf dem Waldboden.
Archivbild: Der Merkurwald nach dem Orkan Lothar.

Orkan Lothar kostete Forst 10 Mio. Euro

Baden-Baden (02.01.2020). Vor zwanzig Jahren, am 2. Weihnachtsfeiertag 1999, hat Orkan Lothar rund 2000 Hektar Fläche im Stadtwald Baden-Baden geschädigt. In einem Pressetermin am Forellenhof blickte Thomas Hauck, Leiter des städtischen Fachgebiets Forst und Natur, auf die damaligen Ereignisse zurück.

Orkanschaden war enorm

Blick auf den Binsenwasen 1999. Statt Wald sind viele umgestürzte Bäume zu sehen.Bild vergrößern
Archivbild: Blick auf den Binsenwasen.

Der Orkanschaden war enorm: Nach mehreren Jahren des Aufräumens stellte das Forstamt die Schadensmenge auf rund 900.000 Festmeter Holz fest. Zum Vergleich, das Forstamt hat vor Orkan Lothar jedes Jahr rund 50.000 Festmeter Holz nachhaltig geerntet. Heute sind es rund 36.000 Kubikmeter Holz. Das ist übrigens nur die Hälfte der Menge an Holz die jedes Jahr dazu wächst.

Der finanzielle Schaden für die Stadt Baden-Baden ist schwer zu beziffern, da die Holzpreise natürlich vom Markt abhängig sind und beispielsweise 2019 wegen der europaweiten klimabedingten Waldschäden dramatisch gefallen sind. Das Forstamt geht jedoch von einem geschätzten Schaden von bisher rund 10 Millionen Euro aus. Dies ist zum Großteil entgangener Gewinn aus fehlenden Holznutzungen.

Wirtschaftlicher Schaden ist noch Jahre zu spüren

Der Wald an sich hat sich inzwischen regeneriert: Überall wachsen wieder Bäume, die teilweise schon 20 Meter hoch sind. Der wirtschaftliche Schaden ist jedoch noch weitere 20 bis 30 Jahre zu spüren, weil die Einnahmen aus dem Holzverkauf fehlen, aber Pflegekosten anfallen.

Thomas Hauck: „Wir haben sehr viel aus Lothar gelernt und den Waldumbau hin zu Mischwäldern deutlich verstärkt. Wir arbeiten hier jedoch mit der ‚Naturverjüngung‘ der an den Standort angepassten Baumarten. Wir haben das Ziel die Pflanzung gegen Null zu reduzieren und pflanzen nur dort, wo wir einen Baumartenwechsel brauchen und keine geeigneten Samenbäume auf der Fläche vorhanden sind. Dies funktioniert aber nur, wenn die Wildbestände eine dem Lebensraum angepasste natürlich Dichte haben. So stieg beispielsweise der Anteil aller Laubbäume im Stadtwald von 39 Prozent im Jahr 1999 auf inzwischen 52 Prozent im Jahr 2017 an. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Fichte von 26 auf 19 Prozent. Diese Zahlen mögen manchem sehr gering erscheinen, sie sind für die Forstwirtschaft, die in Zeiträumen von 100 Jahren denkt, jedoch ein gewaltiger Schritt!“

Der Leiter des Fachgebiets Forst und Natur steht an einer Straße und spricht. Im Hintergrund ist der Forellenhof zu sehen.
Archivbild des Forellenhofs aus dem Jahr 1999: Um den Hof sind zahlreiche Bäume umgefallen. Folgen des Orkans Lothar.
Der Weg zum Waldcafé am Merkurberg. Am Straßenrand liegen umgefallene Bäume.
Die B500 in Richtung Zimmerplatz 1999. Am Straßenrand liegen viele umgefallene Bäume.

Klimatische Veränderung und fehlender Niederschlag

Die größte Herausforderung für den Forst ist der Klimawandel, nicht nur mit Orkanen, sondern insbesondere der klimatischen Veränderung und dem fehlenden Niederschlag. Das Forstamt setzt hier auf die vorhandenen Baumarten und auf die Naturverjüngung, die sich anpassen kann.

Erneut Thomas Hauck: „Wir haben die Aufwendungen für die Pflege der jungen Bestände drastisch reduziert, nutzen die natürliche Selektion und greifen nur steuernd ein. Alles in allem war dies ein großer Schritt hin zu einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung. Auch der Waldnaturschutz nimmt einen großen Stellenwert ein. So stellte die Stadt über 400 Hektar eigenen Wald für den Nationalpark zur Verfügung.“

Der Orkan hatte aber auch gute Seiten. Positiv war Lothar für Arten, die abgestorbenes Holz, sogenanntes Totholz, brauchen und auch für lichtliebende Arten. Ein Beispiel ist das Auerhuhn, wobei dessen Entwicklung schon wieder rückläufig ist, da die Wälder wieder zugewachsen. Viele Waldbesucher freuten sich auch über die neuen Ausblicke, die aber jetzt zum Großteil wieder zuwachsen und an manchen Stellen seitens des Forsts offengehalten werden.