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Eva Mendelsson (links) erzählt den Schülern ihre bewegende Lebensgeschichte als jüdisches Kind im Nationalsozialismus. Rechts im Bild RWG-Lehrerin Anke Flesch.
(c) Richard-Wagner-Gymnasium Eva Mendelsson (links) erzählt den Schülern ihre bewegende Lebensgeschichte als jüdisches Kind im Nationalsozialismus. Rechts im Bild RWG-Lehrerin Anke Flesch.

Zeitzeugengespräch am RWG mit Eva Mendelsson

Baden-Baden (03.02.2020). Anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz berichtete Zeitzeugin Eva Mendelsson kürzlich den Schüler der Kursstufe 1 des Richard-Wagner-Gymnasiums (RWG) von ihren Erfahrungen als jüdisches Kind in der Nazi-Zeit.

Die 84-jährige stammt aus Offenburg und lebt heute in England. Die Judenverfolgung unter dem NS-Regime beraubte sie nicht nur ihrer Kindheit, sondern brachte sie selbst ins Lager nach Gurs (Südfrankreich) und Schwester und Mutter in die Gaskammern von Auschwitz.

Berichte von Diskriminierung, Hunger, Krankheit und Leiden

Eva Mendelsson berichtete von der Diskriminierung, die sie erfahren hat, von den Schrecken der Reichspogromnacht, in der ihr Vater verhaftet wurde, von den heute unvorstellbaren Dingen, die in Gurs geschahen, von Hunger, Krankheit und Leiden. Sie erzählte von den überfüllten Kinderheimen, in denen sie für einige Zeit eine Bleibe fand, von der Flucht in die Schweiz und nach England zu ihrem Vater, der geflohen war, ohne seine Familie zu sich holen zu können.

Sie sprach auch von ihrer Schwester Esther, die Kinderlähmung bekam und später in Auschwitz starb sowie von ihrer Mutter, die sie und ihre Schwester Myriam bei ihrer eigenen Deportation rettenden Händen übergab, sodass sie entkommen konnten. Mendelsson zeigte Bilder und beantwortete alle aufkommenden Fragen der betroffenen, aber interessierten Schüler. „Das Leben hat erst in England wieder angefangen“, sagte sie. Die Erinnerung an die Trennung von ihrer Familie begleitet sie noch immer.

Erinnerungen weitergeben

Und doch ist Eva Mendelsson keineswegs gebrochen. Ihr Leben, die Verpflichtungen und die drei eigenen Kinder halten sie in Bewegung, die Vorträge, die sie seit 30 Jahren in Schulen hält, helfen ihr nun auch im Alter, alles zu verarbeiten. Sie wirkt nicht verbissen oder verzweifelt, sondern spricht eindringlich und anschaulich. Sie meint, dass „Hitler nicht alles geschafft hat“. Sie und ihre Schwester Myriam haben ihre eigenen Familien gegründet und darüber ist sie sehr froh.

Ihr ist es heute wichtig, ihre Erinnerungen weiterzugeben, um eine Wiederholung der Geschichte zu vermeiden. Mendelsson selbst hat nie den Glauben und die Hoffnung verloren. Es brauche heute „Menschen, die keine Mitläufer sind, die aufstehen und sich wehren“, sagt sie. Insgesamt war es „eine sehr beeindruckende Aktion“, die bereits durch Gedenkveranstaltungen für die Mittel- und Unterstufe mit Schweigeminute am Montag im RWG eingeleitet worden war, so das Fazit der Teilnehmer.