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Patient wird auf der Intensivstation betreut
(c) Andrea Fabry, Karlsruhe

Heftige Coronasituation im Klinikum Mittelbaden

Baden-Baden (19.04.2021). 327 stationäre Patienten, von denen 37 verstorben sind – das ist die erschreckende Bilanz der dritten Corona-Welle seit Anfang Februar des Jahres im Klinikum Mittelbaden. Die aktuellen Corona-Patienten sind wesentlich jünger und haben mit einem schweren und langen Krankheitsverlauf zu kämpfen. So liegen in der Balger Klinik derzeit Betroffene im Alter zwischen 45 und 69 Jahren.

Damit übertrifft die dritte Pandemiewelle an Heftigkeit die Vorangegangenen. Sie ist deutlich stärker als ihre Vorgänger und vor allem ist sie noch nicht zu Ende. Im Klinikum Mittelbaden (KMB) wird die aktuelle Situation als heftig bewertet.

„Am Ostermontag wurde mit 72 COVID-Patienten, wovon 10 intensivmedizinisch behandelt werden mussten, ein trauriger Negativ-Rekord erreicht“, so der Medizinische Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, PD Dr. Thomas Iber.

Weitgehendes Besuchsverbot

Zur weiteren Eindämmung von Infektionen wurde Mitte April ein weitgehendes Besuchsverbot für das KMB erlassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kliniken waren die Besuchsmöglichkeiten seit der ersten Corona-Welle in den Akutkliniken des KMB in Balg, Bühl und Rastatt bis zuletzt aufrechterhalten worden. Die zahlreichen COVID19-Patienten und das Risiko weiterer Ansteckungen zwangen jedoch auch das KMB zu dieser drastischen Maßnahme.

„Wir arbeiten seit Tagen an der Kapazitätsgrenze und konnten durch die Erweiterung unserer Intensivkapazitäten und Verlegungen innerhalb des Clusterkonzeptes des Landes Baden-Württemberg bisher alle COVID-Patienten regulär und sehr gut versorgen“ erläutert Iber, der als Chefarzt auch die Verantwortung für die Anästhesie und Intensivmedizin innehat. Bei dem Clusterkonzept des Landes Baden-Württemberg unterstützen sich Kliniken untereinander durch wechselseitige Übernahme von Patienten entsprechend der vorhandenen Kapazitäten. In der dritten Corona-Welle wurden vom Klinikum Mittelbaden elf Patientenverlegungen in andere Kliniken vorgenommen.

Normalstationen zu COVID-Stationen umfunktioniert

In einer weiteren Eskalationsstufe könnte das Klinikum weitere Intensivbetten zur Verfügung stellen. Dies würde allerdings eine absolute Notlösung darstellen, wenn andere Kliniken nicht mehr unterstützen oder Patienten übernehmen könnten. Dann wäre auch eine Verlegung von Patienten in andere Bundesländer notwendig.

Um ausreichend Kapazitäten für die Versorgung von COVID19-Patienten zu haben, wurden im Klinikum Mittelbaden schon früh Normalstationen zu COVID-Stationen umfunktioniert. Inzwischen sind alle planbaren, elektiven operativen Eingriffe vorerst eingestellt.

Die hohe Anzahl Schwerkranker bedeutet nicht nur auf der Intensivstation für das pflegerische und ärztliche Personal eine große Herausforderung. Ihre Tätigkeit ist durch die veränderten Krankheitsverläufe noch anspruchsvoller und anstrengender geworden. In den ersten beiden Corona-Wellen bestand unter den Mitarbeitenden die Sorge, die eigenen Angehörigen durch die berufliche Tätigkeit zu gefährden. Auch wenn aktuell Dank Impfungen diese Angst etwas abgenommen hat, ist das Privatleben durch das hohe Arbeitsaufkommen weiterhin deutlich belastet.

Von null auf fast hundert in der dritten Welle

Anfang Februar des Jahres meldete das KMB sowohl im stationären Bereich als auch auf der Intensivstation einen kontinuierlichen Rückgang an COVID19-Patienten. Alle Akutkliniken konnten wieder weitgehend öffnen und ihr komplettes Behandlungsspektrum auf allen Stationen anbieten.

Von null auf fast hundert könnte die kurz darauf beginnende dritte Corona-Welle beschrieben werden, in welcher sich das Klinikum derzeit befindet. „Diese Pandemie fordert uns in einem bisher nicht gekannten Ausmaß heraus. Und wir schaffen dies nur mit Lösungen, die gemeinsam berufsgruppenübergreifend, mit Unterstützung aller Fachdisziplinen und die Standorte übergreifend gefunden werden“ stellt Chefarzt Iber nüchtern fest. Der medizinische Geschäftsführer und sein Kollege der kaufmännischen Geschäftsführung, Daniel Herke, sind den Mitarbeitern im KMB, die sich unermüdlich und erfolgreich für diese reibungslosen Abläufe einsetzen, in diesen Zeiten ganz besonders dankbar.

Fast keine über 80jährigen Corona-Patienten mehr

Dass es so gut wie keine über 80jährigen Corona-Patienten mehr in den Kliniken gibt,  führen die Geschäftsführer auf die erfolgte Durchimpfung dieser Altersgruppe zurück. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nur Impfungen und das Einhalten von Abstand und Hygiene für Entspannung in den Kliniken sorgen.

Deshalb appellieren beide KMB-Geschäftsführer an die Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung. „Bitte nehmen sie den Ernst der Lage wahr. Halten Sie sich an die gebotenen Maßnahmen, damit wir vollumfänglich wieder für alle Patienten da sein können,“ lautet die inständige Bitte von Thomas Iber.