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Prof. Dr. Claus Wolf, Ministerin Nicole Razavi, Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Prof. Hans-Peter Mengele im Floreninter Saal des Casinos.
Prof. Dr. Claus Wolf, Ministerin Nicole Razavi, Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Prof. Hans-Peter Mengele im Floreninter Saal des Casinos (von links).

Nach Aufnahme in die UNESCO-Welterbe-Liste: Land versichert Baden-Baden seine Unterstützung

Baden-Baden (26.07.2021). Nach der Entscheidung des Welterbe-Komitees zugunsten von Baden-Baden hat das Land Baden-Württemberg der Kur- und Bäderstadt seine weitere Unterstützung bei der Pflege der einmaligen Denkmal- und Kulturlandschaft zugesichert. „Die Entscheidung der UNESCO ist unser gemeinsamer Erfolg, den wir nicht nur genießen, sondern auch für die Zukunft sicherstellen wollen“, sagte Ministerin Nicole Razavi MdL vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, der obersten Denkmalschutzbehörde, am Montag (26.7.) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Stadt und Land in Baden-Baden.

Baden-Baden als siebtes Mitglied der Welterbe-Familie in Baden-Württemberg

Das UNESCO-Welterbekomitee hat am 24. Juli 2021 entschieden, eine Gruppe von elf bedeutenden europäischen Kurstädten – darunter Baden-Baden – unter dem Titel der „Great Spa Towns of Europe“ in die Welterbeliste aufzunehmen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir Baden-Baden als siebtes Mitglied unserer Welterbe-Familie in Baden-Württemberg begrüßen dürfen“, sagte Razavi. „Die Würdigung der UNESCO unterstreicht die besondere Qualität und Vielfalt unserer Denkmallandschaft in Baden-Württemberg. Kulturdenkmale sind Teil unserer Geschichte, unserer Herkunft, unserer Heimat und unserer kulturellen DNA. Ich gratuliere auch all unseren Partnern in den weiteren zehn Teilstätten. Wir sind durch unser neues Welterbe europaweit in sieben Staaten vernetzt und freuen uns auf das gemeinsame Fortschreiben des Welterbe-Gedankens. Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit im Antragsverfahren.“

Margret Mergen, Oberbürgermeisterin der Stadt Baden-Baden und Vorsitzende der Arbeitsgruppe der beteiligten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister: „Wir freuen uns sehr uns sind unglaublich stolz.  Der Welterbe-Antrag für Baden-Baden war von Anfang an eine Herzensangelegenheit für mich. Ich bin überzeugt, dass Baden-Baden sich auch in Zukunft gemeinsam mit seinen Partnern in Stadt und Land für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der bedeutenden europäischen Kurstädte einsetzen wird.“

Prof. Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege erklärte: „Die Entscheidung des Welterbekomitees zur Aufnahme von Baden-Baden in die Welterbeliste ist für uns Freude und Auftrag zugleich: Im Zusammenwirken von Stadt, Land und Bürgerschaft gilt es nun den Schutz und die Pflege der Welterbestätte generationenübergreifend sicherzustellen.“

Transnationale serielle Welterbestätte

Der baden-württembergische Beitrag zum Antragsdossier wurde vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg, dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungs-präsidium Stuttgart sowie der zuständigen Stabsstelle Welterbe-Bewerbung und Stadtgestaltung der Stadt Baden-Baden gemeinsam erarbeitet.

Die „Great Spa Towns of Europe“ sind eine transnationale serielle Welterbestätte, bestehend aus elf bedeutenden Kurstädten aus insgesamt sieben Nationen. Dazu zählen neben Baden-Baden, die Kurstädte Bad Ems und Bad Kissingen in Deutschland, Baden bei Wien in Österreich, Spa in Belgien, Karlsbad, Marienbad und Franzensbad in der Tschechischen Republik, Vichy in Frank-reich, Montecatini Terme in Italien sowie Bath in Großbritannien.

Die elf europäischen Kurstädte sind in kultureller, sozialer und gesellschaftlicher Hinsicht ein Phänomen, das vor allem im 19. Jahrhundert seine Blüte erlebte. Dienten sie zunächst der Therapie und Genesung, wuchs zunehmend ihre Funktion als kultureller Treffpunkt von Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlichster Kreise, Länder und Kulturen. Aus diesem Bedeutungszuwachs ergab sich eine einzigartige städtebauliche und landschaftliche Komposition.

Kureinrichtungen und bedeutende architektonische Ensembles

Kureinrichtungen und bedeutende architektonische Ensembles, darunter spezielle Kurgebäude gehören zu ihrem architektonischen Bestand: Kurhäuser, Wandel-Kolonnaden, Trinkhallen, Bade-gebäude, ausgesuchte Hotels und Pensionen. Die Verbindung der Kurstädte mit den sie umgebenden Parks und ausgedehnten Grünanlagen belegen den wachsenden Einfluss von Bewegung und Sport an der frischen Luft in Medizin und Therapie. So ist auch die Umgebung der Kurstädte als ein Bestandteil der therapeutischen Anwendungen zu sehen.

Im 19. Jahrhundert wurde es dem Publikum mehr und mehr ein Anliegen, an diesen gepflegten Orten zusammenzukommen, sich auszutauschen und Kontakte zu pflegen – man sah und wurde gesehen. Um die hohen Ansprüche der Gäste zu befriedigen, finden sich in den Kurstädten auch immer Angebote für Freizeit- und Abendgestaltung: Es wurden Theater und Casinos gebaut, man traf sich in Klubs, zum Tanz oder beim Pferderennen. Kirchen unterschiedlichster Konfessionen trugen der Internationalität des Publikums Rechnung.

Weitere Informationen:

Bereits sechs Kulturerbestätten in Baden-Württemberg stehen auf der Welterbeliste der UNESCO: das Zisterzienserkloster Maulbronn (1993), die Klosterinsel Reichenau (2000), der Ober-germanisch-Raetische Limes (2005), die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen (2011), die beiden Le Corbusier-Häuser in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung (2016) sowie die Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb im Ach- und Lonetal (2017). Baden-Baden ist nun die siebte Welterbestätte in Baden-Württemberg. Die Federführung für diesen Antrag lag bei der Tschechischen Republik. Bereits 2020 sollte über den Antrag der Bäderstädte entschieden werden, jedoch konnte das UNESCO-Welterbekomitee coronabedingt nicht zusammenkommen. Die diesjährige erweiterte Sitzung findet vom 16. bis 31. Juli virtuell statt.