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Schwarzwald
(c) Rainer Sturm / Pixelio.de

Weiterentwicklung des Nationalparks soll von einem breit angelegten und transparenten Beteiligungsprozess begleitet werden

Baden-Baden (22.11.2021). Die Weiterentwicklung des Nationalparks Schwarzwald soll von einem breit angelegten und transparenten Beteiligungsprozess begleitet werden. Überlegungen für die konkrete Ausgestaltung und nächsten Schritte wurden in der heutigen Sitzung des Nationalparkrats (19.11.) vorgestellt.

Umweltministerin Thekla Walker betonte: „Auch wenn es bereits wichtige Vorarbeiten und Vorgespräche gegeben hat – die Sitzung heute ist für mich der Startschuss für die Weiterentwicklung des Nationalparks, die wir aus gutem Grund im Koalitionsvertrag verankert haben. Wir wollen den Nationalpark Schwarzwald stärken, der für eine einzigartige Landschaft steht und ein unglaublich wichtiger Rückzugsort für Tier-, Pflanzen- und Pilzarten unserer Heimat ist.“

Der Nationalpark Schwarzwald ist ein Erfolgsprojekt

Der Nationalpark Schwarzwald ist ein Erfolgsprojekt für den Naturschutz, den Artenschutz und für die Region. Rund 80 Prozent der Bevölkerung Baden-Württembergs beurteilen das 2014 gegründete Großschutzgebiet positiv. Von Nachteil ist, dass der rund 10.000 Hektar große Nationalpark bislang aus zwei Teilgebieten besteht. Ministerin Walker: „Deshalb ist es sinnvoll und notwendig, das Großschutzgebiet inhaltlich und räumlich weiterzuentwickeln – aus naturschutzfachlichen Gründen, um die Bedeutung des Nationalparks für Bildung, Erholung und die Region weiter zu stärken und um den europäischen und internationalen Zielen zum Schutz der Biodiversität gerecht zu werden.“

Im Koalitionsvertrag hatte die Landesregierung festgelegt, die Schutzgebiete in Baden-Württemberg insgesamt zu stärken und den Nationalpark Schwarzwald weiterzuentwickeln. „Wir sind dankbar und glücklich, die Chance zu bekommen, den Naturschutz durch die sehr wichtige Komponente Prozessschutz mit dem Motto ‚Natur Natur sein lassen‘ weiter zu stärken. Damit verbessern wir die Bedingungen für Artenschutz und biologische Vielfalt – und auch die Möglichkeiten, die spannenden Erkenntnisse unserer Forschungsteams und ihre wichtigen Botschaften noch besser in unserer Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu teilen“, sagte Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl.

„Der Nationalpark Schwarzwald ist im Herzen unserer Region angekommen. Er war der Anlass, uns auf vielen Ebenen weiter zu vernetzen und uns gemeinsam touristisch zu vermarkten. Der Nationalpark ist auch für die örtliche Bevölkerung ein Mittelpunkt, ein wichtiger Ort der Erholung und der Bildung. Ich freue mich daher, wenn dieser weiter gestärkt wird, Menschen zum Besuch eingeladen und herzlich willkommen geheißen werden und er dann auch räumlich zu einer größeren Einheit zusammenwachsen darf“, sagte Klaus Michael Rückert, Vorsitzender des Nationalparkrats, der auch Landrat im Landkreis Freudenstadt ist.

Repräsentative Umfrage zum Thema Weiterentwicklung

Wie eine Weiterentwicklung basierend auf fachlichen Kriterien konkret aussehen kann, soll nun in einem breit angelegten, transparenten Beteiligungsprozess ausgearbeitet werden. Die bestehenden Gremien des Nationalparks – Rat und Beirat – werden das Projekt eng begleiten. Darüber hinaus bekommen alle interessierten Bürgerinnen und Bürger des Landes und insbesondere der Region ausführlich Gelegenheit, sich über den Prozess zu informieren und ihre Ideen und Anregungen einzubringen.

Eine erste Möglichkeit dazu bietet eine repräsentative Umfrage zum Thema Weiterentwicklung, die das Umweltministerium beauftragen wird. Zudem ist die Einrichtung eines Bürgerforums geplant. Dabei bekommen zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger – paritätisch aus ganz Baden-Württemberg sowie aus der Region um den Nationalpark – die Chance, das weitere Verfahren intensiver zu begleiten.

Weitere Informationen

Der Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt erfordert den Schutz von Arten und deren Habitaten. Viele Artengemeinschaften sind an die Verhältnisse der vom Menschen gestalteten Kulturlandschaft angepasst. Andere Artengemeinschaften erfordern jedoch das Zulassen von vom Menschen weitgehend ungestörten Entwicklungen (Prozessschutz).

Die EU-Biodiversitätsstrategie sieht vor, bis in neun Jahren 30 Prozent der Länderflächen als Schutzgebiete auszuweisen; davon zehn Prozent mit strengen Kriterien, die vor allem Wildnis-Gebiete und Nationalparks erfüllen.

Baden-Württemberg kommt derzeit auf rund drei Prozent der Landesfläche. Mit beiden Gebietsteilen zusammen erfüllt der Nationalpark lediglich die von der Internationalen Union zum Schutz der Natur (IUCN) vorgeschriebene Mindestgröße von 10.000 Hektar. Eine Erweiterung des Nationalparks ist daher ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des Prozessschutzes, sodass Natur Natur sein kann.