PFC: Fragen und Antworten

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat rund um die PFC-Problematik eine Liste mit den wichtigsten Fragen und Antworten erstellt.

Allgemeine Fragen

Was sind PFC?

PFC ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. PFCs sind künstlich hergestellte Stoffe. Chemisch gesehen bestehen PFCs aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Es wird zwischen sogenannten kurzkettigen PFCs (mit weniger als acht Kohlenstoffatomen bei den Perfluorcarbonsäuren und weniger als sechs Kohlenstoffatomen bei den Perfluorcarbonsulfonsäuren) und langkettigen PFCs unterschieden. PFCs zeichnen sich durch ihre wasser-, schmutz-, und fettabweisenden Eigenschaften aus. Die bekanntesten Vertreter sind die langkettigen PFCs Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und die Perfluoroktansäure (PFOA). Neben Verbindungen, die aus Einzelmolekülen bestehen, zählen dazu auch Polymere, wie z. B. Polytetrafluorethylen (PTFE).

Hinweis

Weitere Informationen über die Schadstoffgruppe PFC finden Sie auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes

Umweltbundesamt

Wozu werden PFC eingesetzt?

PFCs werden seit den 1970iger Jahren wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Verbraucherprodukten verwendet: In der Textilindustrie werden PFCs in Outdoor- und Arbeitskleidung eingesetzt. PFC-haltige Imprägniermittel sorgen dafür, dass auch nach mehrmaligem Waschen die wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften bestehen bleiben. Im Heimtextilbereich werden PFCs häufig für schmutzabweisende Teppiche und Polstermöbel verwendet. Bei der Herstellung von Lebensmittelverpackungen werden PFCs z. B. in Pappbechern und Pappkartons eingesetzt. PFCs werden außerdem als Hilfsmittel bei der Herstellung von Polytetrafluorethylen (PTFE), auch als Teflon® bekannt, verwendet, das beispielsweise in antihaftbeschichtetem Kochgeschirr zum Einsatz kommt. Weitere Produkte, in denen PFCs verwendet wurden oder werden, sind Feuerlöschschäume, Wachse, Schmiermittel, Pestizide, Baustoffe, wie z. B. Wetterschutzfarben und -lacke sowie Imprägniersprays.

Wie verhalten sich PFC in der Umwelt (Grundwasser, Luft und Boden)?

Für perfluorierte Verbindungen sind keine biologischen Abbauvorgänge bekannt. Bei polyfluorierten Verbindungen kann ein biologischer Abbau des nichtfluorierten Molekülteils erfolgen. Der fluorierte Teil des Moleküls kann auch hier nicht weiter abgebaut werden. Dies führt zu einer zunehmenden Verbreitung dieser Verbindungen in der Umwelt. Zum Langzeitverhalten der unterschiedlichen PFCs, insbesondere zu der Frage, ob und in welchem Ausmaß Umwelteinflüsse wie z. B. Licht, UV-Strahlung oder Wasser eine Veränderung von PFCs bewirken können und wie PFCs im Wasserkreislauf transportiert werden, liegen noch keine hinreichenden Forschungsergebnisse vor.

PFCs sind weltweit in Pflanzen und Tieren nachweisbar. Es ist insofern davon auszugehen, dass PFCs auch über die Atmosphäre verteilt werden. Über den Regen gelangen PFCs dann wiederum in Boden und Gewässer. Ebenso können PFCs auch über das Abwasser in Oberflächengewässer sowie über Aufbringung von Stoffen und Ablagerungen in den Boden gelangen. Von hier aus können sie dann in das Grundwasser ausgewaschen werden. Bekannt ist, dass langkettige PFCs weniger wasserlöslich und weniger mobil sind und sich z.B. an Bodenpartikeln und an Wurzeln von Pflanzen festsetzen können. Hingegen können kurzkettige PFCs eher mit dem Wasser transportiert und dadurch in den oberirdischen Pflanzenteilen eingelagert werden.

Sind PFC für Menschen und Tiere gefährlich?

Wegen der Verschiedenartigkeit der PFC-Verbindungen ist diese Frage nicht pauschal zu beantworten. In Tierversuchen erwiesen sich die bekanntesten PFC-Vertreter, PFOS und PFOA, nach kurzzeitiger Belastung über die Nahrung, die Luft und die Haut als mäßig toxisch. In Langzeitstudien mit Ratten und Mäusen förderten beide Verbindungen die Entstehung von Leberkrebs und anderen Tumoren. Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen ist aber fraglich. Des Weiteren besteht der Verdacht, dass einige PFCs die Fortpflanzungsfähigkeit und die sexuelle Entwicklung beim Menschen negativ beeinflussen können. In einer neueren Studie finden sich Hinweise, dass der Langzeitschutz von Tetanus- und Diphtherieimpfungen abgeschwächt sein könnte. In neueren Untersuchungen wurden Wirkungen auf den Fett- und Hormonstoffwechsel beim Menschen bereits bei relativ niedrigen PFC-Belastungen mit langkettigen PFCs beschrieben.

Unter Berücksichtigung dieser Studien hat die Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes im Jahr 2016 HBM-1-Werte in Höhe von 2 ng PFOA/ml Blutplasma und 5 ng PFOS/ml Blutplasma festgelegt. Diese Werte kennzeichnen die Konzentrationen dieser Stoffe im Blut, bis zu denen nach derzeitigem Kenntnisstand nicht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Für die Festlegung von in der Regel deutlich höheren HBM-2-Werten, bei deren Überschreitung eine als relevant anzusehende gesundheitliche Beeinträchtigung möglich ist, reichen diese Studien aber nicht aus.

Das Umweltbundesamt und das Bundesinstitut für Risikobewertung haben außerdem im Jahr 2016 die Bewertung der PFCs in Trinkwasser anhand der verfügbaren Literatur fortgeschrieben (siehe Frage "Ist das Trinkwasser der örtlichen Wasserversorgung mit PFCs belastet?"). Ferner wurde die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gebeten, auch die lebenslänglich tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für PFOS und PFOA neu zu bewerten bzw. für kurzkettige PFCs erstmalig festzulegen (siehe auch Frage "Sind pflanzliche und/oder tierische Lebensmittel aus der Region mit PFCs belastet?").

Die zuständigen Behörden sehen bei Einhaltung der unter Vorsorgegesichtspunkten festgelegten Richtwerte, wie beispielsweise für Trinkwasser und Lebensmittel, keine Gefährdung (siehe auch Frage "Ist das Trinkwasser der örtlichen Wasserversorgung mit PFCs belastet?" und "Sind pflanzliche und/oder tierische Lebensmittel aus der Region mit PFCs belastet?"). Aufgrund der weiterhin unzureichenden Kenntnisse über PFCs sollte aber grundsätzlich immer die Belastung so niedrig wie möglich gehalten werden.


PFC-Belastung in Baden-Baden / Landkreis Rastatt

Welche Art von Belastungen wurde in Baden-Baden und im Landkreis Rastatt festgestellt?

Im Stadtkreis Baden-Baden und im Landkreis Rastatt wurden zunächst im Trinkwasser PFCs nachgewiesen. Dabei handelte es sich vor allem um eine Mischung mehrerer Substanzen, insbesondere um PFOA und die kurzkettigen Vertreter PFHpA, PFHxA, PFPA und PFBA.

Bei den weiteren Nachforschungen wurden im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden durch PFCs verunreinigte, landwirtschaftlich genutzte Böden gefunden, die die Verunreinigung des dortigen Grundwassers mit PFCs und damit auch des Trinkwassers, verursacht haben. Aufgrund der durchgeführten Maßnahmen ist jedoch sicher gestellt, dass die Bürger unbelastetes Trinkwasser bekommen. Bei pflanzlichen und bei tierischen Lebensmitteln wurden in einigen Proben kurz- und langkettige PFCs nachgewiesen. Das Vorernte-Monitoring und gezielte Lebensmittelkontrollen verhindern, dass belastete Lebensmittel in Verkehr gebracht werden (siehe dazu auch Frage "Sind pflanzliche und/oder tierische Lebensmittel aus der Region mit PFCs belastet?").

Welche Gebiete sind betroffen?

Betroffen von den mit PFCs verunreinigten Böden sind Gebiete in Kuppenheim, Rastatt-Rauental, Rastatt-Niederbühl, Hügelsheim, Rheinmünster-Stollhofen, Rheinmünster-Schwarzach, Rheinmünster-Söllingen, Sinzheim-Halberstung, Sinzheim-Leiberstung, Sinzheim-Müllhofen, Sinzheim-Schiftung, Bühl-Vimbuch, Bühl-Eisental, Bühl-Balzhofen und Bühl-Weitenung. Weiter wurden PFC-belastete Ackerflächen im Stadtkreis Baden-Baden in den Gebieten Haueneberstein, Sandweier, Steinbach, Varnhalt und Baden-Oos identifiziert.

Ist das Trinkwasser der örtlichen Wasserversorgung mit PFC belastet?

Nach einer Fortschreibung der Bewertung durch das Umweltbundesamt im Jahr 2016 wurden die in der Tabelle aufgeführten Werte im März 2017 im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht (siehe Downloads "FAQ: Fragen und Antworten").

Bei Leitwerten handelt es sich um toxikologisch abgeleitete Werte, bis zu deren Konzentration der jeweilige Stoff nach aktuellem Wissensstand für alle Bevölkerungsgruppen lebenslang gesundheitlich duldbar ist. Für Substanzen, für die keine hinreichenden Daten für eine humantoxikologische Bewertung vorliegen, hat das Umweltbundesamt gesundheitliche Orientierungswerte abgeleitet. Sie sind unsicherer als die Leitwerte, aber so niedrig festgelegt, dass eine Unterschreitung ebenfalls die lebenslange Duldbarkeit für alle Personengruppen bedeutet.

Sind mehrere PFCs mit jeweils festgelegtem Leitwert in relevanten Konzentrationen im Trinkwasser enthalten, wird die Gesamtbelastung anhand einer Quotientensumme errechnet. Eine Quotientensumme unter 1 stellt einen ausreichenden Schutz für alle Bevölkerungsgruppen bei lebenslanger Aufnahme dar.

Vorsorge-Maßnahmenwert: 5 μg/l für die Summe PFOS und PFOA

Bei Überschreitung dieses Wertes ist das Wasser, auch bei kurzfristiger Überschreitung, nicht mehr als Trinkwasser und zur Herstellung von anderen Lebensmitteln verwendbar.

Vorsorge-Maßnahmenwerte für sensible Gruppen (Schwangere, Säuglinge, stillende Mütter): 0,5 μg/l für die Summe PFOS und PFOA

Bei Überschreitung dieses Wertes ist das Wasser für sensible Gruppen, auch bei kurzfristiger Überschreitung, nicht mehr als Trinkwasser und für die Herstellung von Lebensmitteln verwendbar.

Allgemeiner Vorsorgewert: 0,1 μg/l je Einzelverbindungen

Der allgemeine Vorsorgewert wird als langfristiges Mindestqualitätsziel unter dem Aspekt des vorsorgeorientierten und generationsübergreifenden Trinkwasserschutzes verfolgt. Bei Überschreitung des allgemeinen Vorsorgewertes im Trinkwasser werden durch den Wasserversorger und das Gesundheitsamt geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der PFC-Gehalte ergriffen.
Ist bei einzelnen PFCs ein Leitwert in Höhe, z.B. bei PFOA und PFOS, oder unterhalb des allgemeinen Vorsorgewerts, z.B. bei Perfluornanonsäure (PFNA) festgelegt, gilt der Leitwert.

Minimierungsgebot:
Darüber hinaus gilt das Minimierungsgebot der Trinkwasserverordnung. Dieses besagt, dass „Konzentrationen von chemischen Stoffen, die das Trinkwasser verunreinigen oder seine Beschaffenheit nachteilig beeinflussen können, so niedrig gehalten werden sollen, wie dies nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik mit vertretbarem Aufwand unter Berücksichtigung von Einzelfällen möglich ist.“

Fazit:
Die im Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden in öffentlichen Wasserversorgungen aktuell gemessenen Werte liegen (sofern überhaupt nachweisbar) deutlich unterhalb der Leit- und gesundheitlichen Orientierungswerte bzw. häufig sogar unter dem allgemeinen Vorsorgewert, so dass davon ausgegangen werden kann, dass von diesem Trinkwasser keine gesundheitliche Gefährdung ausgeht. Im Hinblick auf die weiterhin unzureichenden Kenntnisse zu PFCs, kommt dem Minimierungsgebot eine besondere Bedeutung zu.

Von PFC-Verunreinigungen in z.T. starkem Ausmaß betroffen sind allerdings eine Reihe von Eigenwasserversorgungen (Privatbrunnen) in belasteten Gebieten in Baden-Baden, Bühl, Hügelsheim, Iffezheim, Sinzheim und Rastatt-Niederbühl (siehe auch dazu Frage "Welche Maßnahmen wurden von den zuständigen Behörden eingeleitet?").

Sind pflanzliche und/oder tierische Nahrungsmittel aus der Region mit PFC belastet?

Für die langkettigen PFCs (PFOA und PFOS) bietet die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegte, lebenslänglich tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für Lebensmittel eine Orientierung. Diese liegt bei:

  • PFOA: 1,5 μg/kg Körpergewicht pro Tag
  • PFOS: 0,15 μg/kg Körpergewicht pro Tag

Da das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aufgrund fehlender toxikologischer Daten bisher keine konkrete Bewertung für kurzkettige PFCs in Lebensmitteln ableiten konnte, hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) 2015 unter Berücksichtigung des Vorsorge- und Minimierungsgrundsatzes hierfür sogenannte Beurteilungswerte (die für Lebensmittel duldbaren Werte) festgelegt. Diese werden bereits beim Vorernte-Monitoring (VEM) (siehe dazu auch Frage "Welche Maßnahmen wurden von den zuständigen Behörden eingeleitet?") und der Lebensmittelüberwachung berücksichtigt. Beim VEM werden Pflanzen vor der Ernte auf PFCs untersucht und bei festgestellten Überschreitungen nicht als Lebensmittel in Verkehr gebracht.
Aufgrund dieser Vorgehensweise konnte mit Einführung der Beurteilungswerte verhindert werden, dass belastete Lebensmittel auf den Markt gelangen. Kontrolluntersuchungen der amtlichen Lebensmittelüberwachung gewährleisten eine Einhaltung der Beurteilungswerte.

Sind für Landwirte, Gärtner und Kleingärtner besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich?

Die Landwirtschaftsverwaltung hat den Landwirten empfohlen, auf hoch belasteten Flächen freiwillig auf den Anbau von Lebens- und Futtermittel zu verzichten oder keine Dauerkulturen (z. B. Spargel) neu anzulegen.

Weitere Anbauempfehlungen siehe Pressemitteilung vom 13. September 2016:
https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Seiten/pressemitteilung.aspx?rid=579

Im Hinblick auf den Boden- und Grundwasserschutz haben die Umweltbehörden in Baden-Württemberg Eckpunkte für eine vorläufige zulässige Verwendung von Beregnungswasser festgelegt: Eine Bewässerung mit Wasser aus eigenen Beregnungsbrunnen oder Wasser aus den Kiesseen der Region ist zulässig, sofern der vorläufige Geringfügigkeitsschwellenwert, der als Bewertungsgrenze für eine Grundwasserbelastung gilt, eingehalten wird. Bei geringfügiger Überschreitung wird im Einzelfall mit Hilfe einer Frachtbetrachtung eine maximal erlaubte Beregnungswassermenge festgesetzt. Vor Beginn der Beregnungsperiode werden in den jeweiligen Brunnen die aktuellen PFC-Gehalte bestimmt. Auf dieser Grundlage wird festgelegt, ob und in welchem Umfang beregnet werden darf. Die Beregnungswassermenge muss außerdem durch die Auswahl geeigneter Bewässerungsverfahren, z.B. Tröpfchenbewässerung, so weit wie möglich minimiert und streng am Bedarf der Pflanzen ausgerichtet werden.

Auch in Kleingartenanlagen und Hausgärten in den betroffenen Regionen sollte aus Vorsorgegründen auf eine Bewässerung mit Grundwasser verzichtet und die Bewässerung mit Trinkwasser oder Regenwasser vorgenommen werden.


Ursachenermittlung zum weiteren Vorgehen

Was ist über die Ursachen der PFC-Belastungen bekannt?

Nach den vorliegenden Erkenntnissen erfolgte der PFC-Eintrag flächenhaft im Rahmen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Aufgrund des Ausmaßes und des Verteilungsmusters der belasteten Flächen kann für die maßgebliche Belastung ein Eintrag über Einzelereignisse (Unfälle, Schadensfälle, Einsatz von Löschschaum etc.) oder über den Luftpfad (Deposition, Flugbenzin, Verwehung von Löschmitteln etc.) ausgeschlossen werden. Für die überwiegende Mehrzahl der belasteten Flächen liegen konkrete Erkenntnisse vor, dass verunreinigtes Kompostgemisch aufgebracht wurde. Untersuchungsflächen, auf die mit hinreichender Sicherheit kein solcher Kompostgemischauftrag erfolgte (Referenzflächen), waren regelmäßig unbelastet. Die PFCs bzw. Vorläufersubstanzen, die sich in PFCs umwandelten (siehe Frage "Wie verhalten sich PFCs in der Umwelt (Grundwasser, Luft und Boden)?"), sind aller Wahrscheinlichkeit nach über dem Kompost zugemischte Papierfaserabfälle und Schlämme aus Papierfabriken auf die Böden gelangt.

Welche Maßnahmen wurden von den zuständigen Behörden eingeleitet?

Trinkwasser

Nachdem im Sommer 2013 die ersten Nachweise von PFCs im Trinkwasser bekannt wurden, veranlasste das Gesundheitsamt die Überprüfung von sämtlichen öffentlichen Wasserversorgungen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden. Die im Bereich des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal gefundenen Werte führten im Frühherbst 2013 zu einer vorübergehenden Warnung für sensible Personengruppen. Nachdem der Wasserversorger Maßnahmen zur Senkung ergriffen hatte, konnte die Warnung nach einigen Wochen aufgehoben werden. Seitdem werden die öffentlichen Wasserversorgungen regelmäßig auf PFCs untersucht. Die öffentlichen Wasserversorger haben im Rahmen ihrer Zuständigkeit mit vielfältigen Maßnahmen (u.a. Grundwassermonitoring, Entnahmemanagement und z.T. Außerbetriebnahme einzelner Brunnen, Aufbau von Verbundlösungen) auf eine mögliche Gefährdung reagiert.

Bei Eigenwasserversorgungen in Bühl, Hügelsheim, Iffezheim, Sinzheim, Rastatt-Niederbühl und Baden-Baden wurden teilweise erhöhte PFC-Werte nachgewiesen. Die betroffenen Eigentümer wurden darüber unterrichtet. In mehreren Fällen wurde bisher die Nutzung des Wassers untersagt, in weiteren Fällen wurden Warnungen ausgesprochen. In diesen Fällen erfolgte eine Beratung zu Aufbereitungs- bzw. Umstellungsmöglichkeiten. Zusätzlich wurde allen Eigentümern bzw. Nutzern von Privatbrunnen, bei denen eine Belastung nicht aus grundsätzlichen Erwägungen ausgeschlossen werden kann, empfohlen, ihr Wasser aus Vorsorgegründen auf PFCs untersuchen zu lassen.

Beregnungswasser

Im Hinblick auf den Boden- und Grundwasserschutz haben die zuständigen Umweltbehörden Eckpunkte für eine vorläufig zulässige Verwendung von Beregnungswasser festgelegt. Das Beregnungswasser kann unter kontrollierten Bedingungen und Einhaltung der Richtwerte im Bewässerungswasser verwendet werden (siehe dazu auch Frage "Sind für Landwirte, Gärtner und Kleingärtner besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich?").

Lebensmittel

Insgesamt wurden bislang (bis Juni 2017) von 483 Lebensmitteln tierischer und pflanzlicher Herkunft amtliche Proben entnommen und auf PFCs untersucht.

Vorgeschaltet zur Lebensmittelkontrolle führt die Landwirtschaftsverwaltung im Rahmen eines Projektes seit 2015 ein Vorernte-Monitoring (VEM) durch, wobei Pflanzen auf belasteten Flächen rechtzeitig vor der Ernte untersucht und die Ergebnisse den Betrieben mitgeteilt werden. Diese erhalten somit Aufschluss über die PFC-Gehalte in ihren Pflanzen und damit über deren Vermarktungsfähigkeit. Erzeugnisse mit PFC-Gehalten oberhalb der vorsorgeorientierten Beurteilungswerte (siehe dazu auch Frage "Sind pflanzliche und/oder tierische Lebensmittel aus der Region mit PFCs belastet?") dürfen als Lebensmittel nicht in den Verkehr gebracht werden. Diese Erzeugnisse werden vernichtet, bzw. die entsprechenden Flächen nicht beerntet. Diese Entscheidungen werden von den landwirtschaftlichen Betrieben bisher ohne eine behördliche Verfügung getroffen. Die erheblichen finanziellen Einbußen werden dabei in Kauf genommen.

Die Kombination Vorernte-Monitoring und Lebensmittelüberwachung bietet ein Höchstmaß an Sicherheit, um zu verhindern, dass Lebensmittel mit erhöhten PFC-Gehalten auf den Markt kommen. Dies bestätigen die Kontrolluntersuchungen der amtlichen Lebensmittelüberwachung.

Boden

Seit Bekanntwerden der ersten Bodenverunreinigungen von landwirtschaftlich genutzten Flächen werden großflächig Bodenuntersuchungen durchgeführt, um mögliche weitere belastete Flächen zu identifizieren.

Rechtliche Maßnahmen

Entsprechend den Vorgaben des Bundesbodenschutzgesetzes haben sowohl das Landratsamt Rastatt als auch die Stadt Baden-Baden Anordnungen zur Durchführung von Detailuntersuchungen nach der Bundesbodenschutzverordnung gegenüber dem mutmaßlichen Störer erlassen.

Wie ist das weitere Vorgehen zur vollständigen Ermittlung, Eingrenzung und gegebenenfalls Beseitigung der Belastungen?

Ziel des weiteren Vorgehens ist zunächst eine vollständige Ermittlung und Eingrenzung der Belastung, um darauf aufbauend das Sanierungserfordernis zu definieren und nachhaltige und zielorientierte Maßnahmen zu entwickeln. Zur Beschleunigung der Arbeiten und zur Erweiterung des Kenntnisstandes, wurden parallel zum Vorgehen nach Bundesbodenschutzgesetz folgende Maßnahmen eingeleitet:

  1. Beauftragung eines Ingenieurbüros durch den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden (Dezember 2014) mit folgender Aufgabenstellung: u.a. Erarbeitung grundsätzlicher Sanierungsüberlegungen, Bewertung der Situation mit Blick auf besondere Schutzbereiche (z.B. Wasserversorgungsanlagen, Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete) sowie Bewertung von Sanierungsmöglichkeiten mit entsprechenden Vorschlägen.
  2. Entwicklung eines hoch aufgelösten Grundwassermodells für den Raum Rastatt/Baden-Baden (auf der Basis des großräumigen Modells der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) für die Oberrheinebene) im Auftrag des Landes Baden-Württemberg zur Beantwortung grundsätzlicher Fragen zum Schadstoffeintrag aus dem Oberboden in das Grundwasser sowie zu Transportrichtungen und Geschwindigkeiten der Schadstoffe im Grundwasser.
  3. Ergänzung der Arbeiten am Grundwassermodell durch Erkenntnisse und Untersuchungen der Wasserversorgungsunternehmen z.B. in Form von Markierungsversuchen zur Verbesserung der Aussagegenauigkeit.
  4. Beauftragung einer Modellstudie zur Untersuchung des Eintrags von PFCs aus belasteten Böden in das Grundwasser durch das Regierungspräsidium Karlsruhe.
  5. Durchführung einer Pilotstudie: Betrieb einer Pilotanlage im Regierungsbezirk Tübingen im Auftrag des Landes Baden-Württemberg mit dem Ziel, verschiedene Verfahren zur Grundwasseraufbereitung auch mit Wasser aus dem Raum Rastatt/ Baden-Baden zu testen und zu bewerten.
  6. Beauftragung eines Ingenieurbüros durch den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden: „Bewertung und Priorisierung von Schadensbereichen“ Abschlussbericht 30.05.2016.
  7. Zusätzlich hat das Ministerium für Soziales und Integration das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg mit der Planung und Durchführung von Blutkontrolluntersuchungen bei einem größeren Personenkreis in der Region beauftragt. Ziel dieser Untersuchungen soll es sein, genauere Informationen über die Höhe der PFC-Konzentrationen bei Einwohnerinnen und Einwohnern sowie über die zeitliche Entwicklung von Belastungen zu gewinnen. Damit soll die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Minderung der Belastung beurteilt werden können. Eine Expertengruppe, in der neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch Mitglieder der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser Kuppenheim“ vertreten sind, berät dabei das Landesgesundheitsamt. Diese Expertengruppe hat am 24. Mai 2017 das erste Mal getagt.

Wer kommt für die entstehenden Kosten auf?

Die Kosten für orientierende Untersuchungen, in denen zunächst Anhaltspunkte für das Vorliegen einer schädlichen Bodenveränderung und/oder einer nachteiligen Grundwasserveränderung bestätigt oder ausgeräumt werden, werden vom Stadt- bzw. Landkreis getragen.

Die Kosten der weiteren Untersuchungen (Detailuntersuchung) zum Umfang und zur Ausbreitung des Schadens, zur Feststellung geeigneter Sanierungsmethoden sowie zur Sanierung selbst sind grundsätzlich von den Störern (Verursachern oder Grundstückseigentümern/ -pächtern) zu tragen. Sollte die Erstattung der Kosten von den Störern nicht erlangt werden können, übernimmt die jeweils zuständige untere Bodenschutz- und Altlastenbehörde die Kosten bis zu 5.000 Euro. Darüber hinausgehende Kosten werden auf Antrag des Landratsamtes und des Stadtkreises vom Land Baden-Württemberg erstattet.

Die Kosten für das Vorernte-Monitoring werden durch das Land im Rahmen des Projektes „PFC-belastete Flächen in Nordbaden – Lösungen für den Anbau landwirtschaftlicher Kulturen und zur vorbeugenden Verbrauchersicherheit“ getragen. Die Lebensmitteluntersuchungen erfolgen im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung.

Wer ist für das Thema PFC im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden zuständig?

Das Regierungspräsidium Karlsruhe ist die zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für die PFC-Belastungen in Mittel- und Nordbaden.

Die Fachministerien der Landesregierung und das Regierungspräsidium Karlsruhe, als koordinierende Mittelbehörde sowie das Landesgesundheitsamt beim Regierungspräsidium Stuttgart als fachliche Leitstelle für den Gesundheitsschutz in Baden-Württemberg, unterstützen die für die Bearbeitung des Schadenfalles zuständigen unteren Verwaltungsbehörden. Dies sind der Stadtkreis Baden-Baden sowie der Landkreis Rastatt mit seinen jeweiligen Fachämtern. Die Zuständigkeiten im Einzelnen:

Das Regierungspräsidium Karlsruhe ist in seinem Bezirk zuständige Behörde für die amtliche Futtermittelüberwachung. Das Gesundheitsamt Rastatt ist sowohl für den Landkreis Rastatt als auch für den Stadtkreis Baden-Baden als untere Gesundheitsbehörde für den Vollzug der Trinkwasserverordnung zuständig. Das Landwirtschaftsamt im Landratsamt Rastatt ist für die Umsetzung des Düngerechts zuständig. Für die Düngemittelverkehrskontrolle ist das RP Stuttgart landesweit zuständig. Für die Überwachung von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist die jeweilige untere Lebensmittelüberwachungsbehörde zuständig. Für die Einhaltung und Überprüfung der Bioabfallverordnung sind die unteren Abfallrechtsbehörden zuständig. Für die Einhaltung und Überprüfung der immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen sind die unteren
Immissionsschutzbehörden zuständig. Für das Grundwasser und den Boden ist die jeweilige untere Wasserbehörde und untere Bodenschutzbehörde zuständig.