Internationaler Museumstag digital

Museen digital entdecken!

Der Internationale Museumstag erfreut sich großer Beliebtheit. 2019 beteiligten sich 1.980 Museen bundesweit mit über 4.700 Aktionen und boten den Besuchern ein vielfältiges Angebot. In diesem Jahr ist der Internationale Museumstag am 17. Mai.

Auch wenn die Museen aufgrund der Coronavirus-Pandemie den Aktionstag mit Veranstaltungen nicht vor Ort begehen können, bieten Sie ein reiches digitales Angebot an. Auch das Stadtmuseum Baden-Baden beteiligt sich an der Aktion.

Blick hinter die Kulissen

Die Leiterin des Baden-Badener Stadtmuseums und –archivs Heike Kronenwett und Dr. Katja Mikolajczak, Abteilungsleiterin Stadtmuseum, gewähren einen Einblick in ihre tägliche Arbeit.

Büros und Archiv im Baldreit untergebracht

„Während sich das Stadtmuseum im sogenannten Alleehaus in der Lichtentaler Allee 10 befindet, sind unsere Büros im Baldreit in der Baden-Badener Altstadt untergebracht“, erklärt Heike Kronenwett und führt weiter aus: „Bis 2004 beherbergte das historische Gebäude auch die Ausstellungsfläche des Museums. Durch den Umzug in das Alleehaus konnten die frei gewordenen Bereiche zur Unterbringung der umfangreichen Historischen Sammlung genutzt werden. Außerdem befindet sich im Baldreit das Stadtarchiv mit seinem ständig wachsenden Aktenbestand.“

Ein Blick in das Depot des Stadtmuseums verrät, wie facettenreich die Sammlung ist. Hier lagern antike Objekte, Möbel, Porzellan, Grafiken, Gemälde, Skulpturen, aber auch Textilien und Spielzeuge. Dazu erläutert Kronenwett: „Die Vielseitigkeit unseres Bestands spiegelt die über 2000-jährige Geschichte der Stadt wider und die lange Sammlungstradition, die bis in das Jahr 1892 zurückreicht. Damals wurden auf Initiative des Stadtrats und Kunstdruckereibesitzers Stanislaus Kah die Stadtgeschichtlichen Sammlungen gegründet, nachdem bei den Bauarbeiten zur Kanalisation zahlreiche römische Funde zu Tage getreten waren. Kah richtete auch einen ersten Ausstellungsraum im Rathaus ein.“ Seit dieser Zeit ist die Sammlung auf über 50.000 Stücke angewachsen.

Auch Fotos und Gegenstände zu Corona werden gesammelt

„All diese Objekte müssen für die Zukunft bewahrt werden. Dafür ist ein erster Schritt, dass das Raumklima und die Luftfeuchtigkeit reguliert werden. Außerdem sind viele Materialien sehr lichtempfindlich, insbesondere Arbeiten auf Papier und Textilien“, berichtet Kronenwett und fügt hinzu: „Wie viele museale Sammlungen haben auch wir Platzprobleme. Zumal es kontinuierlich Neuzugänge gibt. Wir sammeln nicht nur Vergangenes, sondern auch Dinge, die von der Gegenwart Zeugnis geben – gerade in so außergewöhnlichen Zeiten wie der momentanen Corona-Situation.“

Daher nimmt die Leiterin des Stadtmuseums und -archivs diesen Blick hinter die Kulissen und den Internationalen Museumstag zum Anlass für einen Aufruf: „Wir suchen Fotos und Gegenstände, die besonders originell oder eindrücklich sind oder aus ganz persönlicher Sicht die Corona-bedingten Änderungen im Baden-Badener Alltag zeigen. In Auswahl werden sie in Zukunft für diese Ausnahmezeit stehen und sie besonders denjenigen verdeutlichen, die sie nicht miterlebt haben. Bitte senden Sie Fotos von Gegenständen und Bilder, die für Sie für „Corona“ stehen im jpg-Format per E-Mail an .“

Inventarisierung und Erforschung des Bestands

Welche Arbeiten mit der musealen Sammlung verbunden sind, schildert Dr. Katja Mikolajczak: „Die Inventarisierung des Bestands ist für unsere Arbeit essentiell. Früher wurden alle Zugänge in Inventarbüchern eingetragen, heute erfassen wir sie digital in einer Datenbank. Damit alle Objekte an einem Ort verzeichnet sind, werden die Angaben aus den historischen Inventarbüchern in die Datenbank übertragen.

Genauso wichtig ist die Erforschung der Sammlung und wissenschaftliche Einordnung der Objekte. Unter anderem beschäftigen wir uns mit den Fragestellungen: Wozu wurde etwas geschaffen? Wann ist das Objekt entstanden? Gibt es vergleichbare Stücke? Was weiß man über den Künstler oder Hersteller eines Werks? Bei so einem diversen Bestand wie dem des Stadtmuseums begegnen einem die verschiedensten Objekte. Da muss man sich häufig in neue Themen einlesen. Das ist manchmal mühsam, macht die Arbeit aber zugleich besonders spannend. Es ist sehr hilfreich, dabei auf die Akten ebenso wie auf unseren Bücherbestand zurückgreifen zu können.“

Recherche spiele auch noch in anderer Hinsicht eine wichtige Rolle, legt Heike Kronenwett dar: „Von Institutionen, Journalisten oder Privatpersonen erreichen das Museum und das Stadtarchiv zahlreiche Anfragen. Wir bemühen uns, alles zeitnah zu bearbeiten. Besonders das Archivpersonal ist dadurch aktuell extra beansprucht. Solange das Stadtarchiv aufgrund der Corona-Situation Nutzern nur eingeschränkt zur Verfügung steht, übernehmen die Mitarbeiter soweit möglich einen Teil der Recherchearbeiten, die im Normalfall von den Nutzern selbst vor Ort gemacht worden wären.“

Sonderausstellungen zu kultur- und stadthistorischen Themen

Für das Stadtmuseum werden regelmäßig Sonderausstellungen zu kultur- und stadthistorischen Themen realisiert. So gab es im vergangenen Jahr die Ausstellung „Reise ins Weltbad“, welche den Tourismus im 19. Jahrhundert behandelte. Über die komplexe Vorbereitung eines solchen Projekts berichtet Kronenwett: „Zu Beginn steht immer die Recherche, man muss tief in das Thema einer geplanten Ausstellung einsteigen, um entscheiden zu können, welche Aspekte aufbereitet werden sollen. Danach heißt es die Exponate auswählen. Oftmals ist es notwendig, ein Stück restaurieren zu lassen, bevor es gezeigt werden kann.

In Zusammenarbeit mit einem Grafikbüro oder speziellen Ausstellungsgestaltern muss das Design geplant werden. Die Gestaltung und Architektur einer Ausstellung bestimmen den Gesamteindruck und sind daher gut zu durchdenken. Außerdem werden Texte für Einführungen in die verschiedenen Sektionen und die Objektschilder benötigt. Soll es dann noch einen Katalog geben, müssen zusätzlich dessen Aufsätze und Einträge verfasst werden. Die Redaktion der Katalogtexte und des Layouts sind sehr zeitintensiv.“

Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Um ein möglichst abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm präsentieren zu können, arbeitet das Stadtmuseum öfters mit Kooperationspartnern zusammen. So sind noch bis zum 21. Juni Teile der Ausstellung „Köper. Blicke. Macht. Eine Kulturgeschichte des Bades“, die von der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und dem Mucem in Marseille konzipiert wurde, im Dachgeschoss und Skulpturensaal des Alleehauses zu sehen. Außerdem wird die Dauerausstellung zur Geschichte Baden-Badens von der Antike bis ins 20. Jahrhundert ständig überarbeitet.

Dazu Dr. Mikolajczak: „Wir haben erst kürzlich die Bereiche zum Hotelgewerbe und dem 20. Jahrhundert ergänzt. Es lohnt sich also, auch die Dauerausstellung regelmäßig wieder zu besuchen, um neue Entdeckungen zu machen.“ Außerdem erklärt sie: „Wie im Depot, muss auch im Museum selbst, das Raumklima und die Beleuchtung kontrolliert und gesteuert werden. Das übernehmen die Mitarbeiter vor Ort. Sie sind gerade besonders gefordert, da sie sich auch um die Einhaltung des Hygienekonzepts kümmern. Das Konzept haben Frau Kronenwett und ich ausgearbeitet, damit das Stadtmuseum am 6. Mai wieder geöffnet werden konnte.“

Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung

Auch der Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung kommt ein hoher Stellenwert zu. „Flyer und Plakate sind für uns wichtige Werbemittel und werden zusammen mit Grafikern erarbeitet. Es ist wichtig, so Aufmerksamkeit zu erzeugen, denn schließlich existieren Museen, um besucht zu werden“, betont die Museumsleiterin. Außerdem schildert sie: „Eine Schließung wie in den letzten Wochen ist einschneidend. Wir waren froh, auf unserer Webseite einen 3D-Rundgang durch die Dauerausstellung anbieten zu können.

Außerdem entwickelten wir die Reihe „Neues aus dem Stadtmuseum“, in welcher regelmäßig Stücke aus der historischen Sammlung vorgestellt wurden. Die Texte sind in den Tageszeitungen und diversen Medien erschienen und ebenfalls auf der Webseite zu finden. Normalerweise bieten wir regelmäßig Vermittlungsangebote wie Veranstaltungen, Vorträge, Führungen oder Workshops an. Diese können zwar aktuell nicht durchgeführt werden, aber wir planen schon für die Zeit nach den Corona-Einschränkungen.“

So vielfältig wie die Sammlung, sind also auch die Tätigkeiten, welche im Stadtmuseum anfallen. Weitere Einblicke gewähren die folgenden Fotos.

Heike Kronenwett hält eine Mund-Nasen-Maske aus Seide in den Händen.
Neuzugang in der Sammlung des Stadtmuseums: eine Mund-Nasen-Maske aus Seide.
Die Schiebegitter im Gemäldedepot des Stadtmuseums Baden-Baden.
Dr. Katja Mikolajczak zeigt ein Hochzeitskleid aus der Zeit um 1910.
Ein altes Inventarbuch
Während der 1770er Jahre in Baden-Baden gefertigtes Porzellan
Plakat, Flyer und Zeitungsbericht über das Stadtmuseum
Ein Mitarbeiter des Stadtmuseums kontrolliert das Licht
Historische Zeitungen in Aktenschränken
Vitrine zum Thema Zeppelin
Dr. Katja Mikolajczak zeigt Skizzenbücher in Schränken
Skizzenbuch der Katharina von Ottenstedt

360-Grad-Panoramatour durch die Dauerausstellung

Auf einem Smartphone ist die 360-Grad-Panoramatour des Stadtmuseums aufgerufen.Bild vergrößern

Bereits seit 2017 bietet das Stadtmuseum Baden-Baden eine Online-Tour durch die Dauerausstellung an. Mit der Maussteuerung kann man sich durch alle Teile der Dauerausstellung bewegen, an die Objekte heranzoomen, den Blick nach oben oder unten im virtuellen Raum lenken.

Zu ausgewählten Objekten können über einen Info-Button noch nähere Erläuterungen aufgerufen werden. Vorgestellt wird etwa die 2000-jährige Tradition Baden-Badens als Kurort, ebenso wie die Zeit der Markgrafen von Baden. Man kann die Vergnügungen, die das Weltbad seinen Gästen im 19. Jahrhundert zu bieten hatte erkunden, aber auch die wechselvollen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Wer sich durch das ganze Haus klicken möchte, sollte eine halbe bis Dreiviertelstunde einplanen.

Hinweis

Die Tour durch die Dauerausstellung ist auf der Webseite des Freundeskreis Stadtmuseum/Stadtarchiv Baden-Baden e.V. zu finden.

360-Grad-Panoramatour


Aus der Sammlung

Zusätzlich präsentiert das Stadtmuseum in lockerer Folge einige Objekte aus der Sammlung. Darunter beispielsweise das historische Gemälde der Merkur-Bergbahn von dem Maler Heinrich Hoffmann oder die Schwalbenfliesen aus dem Kaiserin-Augusta-Bad. Zu den jeweiligen Exponaten sind interessante Hintergrundinformationen und Geschichten aus dem Leben der Künstler zu lesen.

Hinweis

Die Objekte sind auf der gesonderten Internetseite zu finden:

Aus der Sammlung

Zeichnung Merkurbergbahn mit Turm und Gaststätte, nach 1913
Deckblatt "GFrühlingsblätter" in Baden-Baden. Kutsche mit Pferden, Junge Frau, Bahnhof, Steinbrunnen in der Lichtentaler Allee. Gezeichnet mit vielen Blumen.
Blick in den Heißluftraum des Kaiserin-Augusta-Bades.
Pietà, um 1500. Sie zeigt die heilige Jungfrau Maria mit leicht geneigtem Haupt, ihren toten Sohn auf dem Schoß haltend.