Antrag als UNESCO Welterbe

Great Spas of Europe

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(c) Willi Walter, 2009 Blick von Westen über Baden-Baden

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Am 6. Juni startete eine Artikelserie zum Welterbeantrag der „Great Spas of Europe“.

Hier geht es zur Artikelserie

Baden-Baden blickt seit der Antike auf eine reiche Kulturgeschichte zurück. Seine Glanzzeit als „Sommerhauptstadt Europas“ im 19. Jahrhundert spiegelt sich bis heute im Stadtbild wider. In dieser Zeit zählte Baden-Baden zu den europäischen Kurstädten von Weltrang. Dies schlug sich unter anderem in seiner spezifischen städtebaulichen Entwicklung nieder, die noch heute als besonderer Stadttypus erfahrbar ist.

Seit Sommer 2014 steht Baden-Baden gemeinsam mit zehn weiteren europäischen Kurstädten unter dem Titel Great Spas of Europe auf der Tentativliste der UNESCO. Im Januar 2019 reichten die Great Spas of Europe den transnationalen seriellen Welterbeantrag im UNESCO-Welterbezentrum in Paris ein. Unter dem Begriff Great Spas of Europe (Bedeutendste Kurstädte Europas), werden Kurstädte verstanden, die vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Ihre Kurtradition und städtebauliche Anlage gelten als repräsentativ für das Phänomen der europäischen Kurstadt und sind bis heute geschlossen in ihrer Struktur und historischen Substanz erhalten.

Hinweis

Weitere Informationen gibt es auch auf der mehrsprachigen Webseite der Great Spas of Europe.

The Great Spas of Europe

Welterbeantrag eingereicht

Am 22. Januar 2019 wurde in der Botschaft der Tschechischen Republik in Paris das Nominierungsdossier des transnationalen seriellen UNESCO-Welterbeantrags Great Spas of Europe von diplomatischen Vertretern aller sieben Teilnehmerstaaten - Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland - in Anwesenheit aller elf Bürgermeister unterzeichnet

Am 23. Januar 2019 wurde das Nominierungsdossier von dem federführenden Staat Tschechien an das Welterbezentrum in Paris übermittelt. Damit wurde ein nahezu zehnjähriger Vorbereitungsprozess nach Vorgaben der Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur-und Naturerbes der Welt abgeschlossen.

Der Antrag zur Aufnahme in die Welterbeliste wurde im Februar 2019 von der UNESCO an ICOMOS, dem internationalen Rat der Denkmalpflege, zur fachlichen Evaluierung übergeben. Es erfolgte eine inhaltliche Prüfung der Bewerbungsunterlagen und eine Vorortbegutachten aller elf Städte durch internationale Experten von ICOMOS. Die Evaluierung wurde im Mai 2020 abgeschlossen.

Darauf basierend gibt ICOMOS eine Empfehlung an das UNESCO-Welterbezentrum. Die finale Entscheidung über die Aufnahme der Great Spas of Europe in die UNESCO-Welterbeliste wird vom Welterbekomitee auf seiner nächsten Sitzung getroffen. Die für die Behandlung des Antrags vorgesehene 44. Sitzung des Welterbekomitees in Fouzou / China wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Noch ist nicht entschieden, wann und wo die 44. Sitzung stattfinden wird.

Welterbeantrag: Unterschriften der elf Bürgermeister
Welterbeantrag: Unterschriften der sieben Botschafter
Die Botschafter mit dem Welterbeantrag vor dem Eiffelturm in Paris
Gruppenfoto der Botschafter und Bürgermeister der beteiligten Städte
Oberbürgermeisterin Mergen mit den Bürgermeistern der weiteren deutschen Städten: Bad Ems und Bad Kissingen. alle halten einen Teil der Bewerbungsu8nterlagen in der Hand.

Das Konzept hinter der Bewerbung der Great Spas of Europe

Die Great Spas of Europe stellen ein außergewöhnliches Zeugnis der europäischen Bädertradition dar, eines komplexen städtebaulichen, gesellschaftlichen und kulturellen Phänomens, dessen Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. Ihre Blütezeit erlebten diese Bäderstädte aber in der Zeitspanne zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Die Entwicklung eines innovativen, auf medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Funktionen ausgerichteten städtebaulichen Siedlungstyps nahm ihren Ausgangspunkt an den natürlichen Thermalwasservorkommen. In diesen mondänen Stätten der Gesundheitspflege, der Muße und des geselligen Umgangs bildeten sich architektonische Prototypen und eine städtebauliche Typologie heraus, für die es keine frühere Parallele gibt. Die Great Spas of Europe waren Vorreiter in der Entwicklung des modernen Tourismus und standen aus kultureller Sicht in Konkurrenz zu den großen Metropolen des 19. Jahrhunderts.

1) Historische städtebauliche Struktur

Die Menschen errichteten oftmals bereits in der Antike Siedlungen an den Heilquellen. Sie siedelten daher unmittelbar an den mineralischen Heilquellen. Daraus entstand eine ganz eigenständige Prägung der Kurstädte mit einer ganz eigenen städtebaulichen Aufteilung in Kurviertel, Villengebiete, geschlossenen Stadterweiterungen und Grünanlagen sowie der charakteristischen Durchdringung der Siedlung durch Parkanlagen und Gärten.

Besonders hervorzuheben ist die die Umsetzung der städtebaulichen und landschaftsgestalterischen Ideen der Aufklärung, wie die Begeisterung für die Schönheit der Natur. Ein Charakteristikum der Kurstadt ist die Integration der Siedlung in die Topografie, wobei die Landschaft als rahmendes Bild der Stadt und durch Terrainkurwege, Aussichtspunkte und Ausflugsziele als attraktiver Freiraum dient. Man versuchte die Siedlung zur freien Natur hin zu öffnen. Viele der Kurviertel, die besonders im 19. Jahrhundert entstanden wurden aus der Altstadt in die freie Landschaft verlagert.

2) Städtebauliches Ensemble

Die Funktion der Kurstädte brachte eine typische Kurstadtarchitekturmit eigenen Typologien hervor, wie beispielsweise das Kurhaus oder auch Konversationshaus genannt. Zudem entstanden Trink- und Wandelhallen, Bäderbauten sowie touristische und technische Infrastruktur für den Kurbetrieb. Ebenfalls charakteristisch für Kurstädte sind Theater, luxuriöse Hotelbauten, Villen sowie Sakralbauten unterschiedlichster Konfessionen.

3) Europäische Kurtradition

Die europäischen Kurstädte geben Zeugnis einer Epochen übergreifenden Tradition der europäischen Badekultur. Bedeutende balneologische und medizinische Fortschritte wurden in diesen Zentren der Heilung entwickelt.

Prägend für das europäische Kurwesen des 19. Jahrhunderts ist ein ganzheitlicher Ansatz – einer Kombination aus der therapeutischen Anwendung von Wasser, bestehend aus Baden, Trinkkuren und Inhalation, zusammen mit gesellschaftlichen Aktivitäten, wie Tanz, Musik und Glücksspiel, die der Zerstreuung der Kurgäste diente sowie körperlicher Betätigung und Sport in der Natur.

Aufgrund des hohen Stellenwerts gesellschaftlicher Aktivitäten wurde der Aufenthalt in Kurstädten oftmals auch als Gesellschaftskur bezeichnet. Dabei nahmen Freizeiteinrichtungen wie Konversationshäuser, Casinos, Theater, Ausflugslokale, Pferde- und Hunderennbahnen, Golf- und Tennisplätze eine besondere Rolle ein.

4) Wissenschaftliche, künstlerische, literarische Werte; Internationalität und Ereignisse

Die Great Spas of Europe sind zudem seit dem 19. Jahrhundert internationale Treffpunkte und Versammlungsorte für Kultur und Politik, die im Klima der Aufklärung und religiöser Toleranz florierten und zum Austausch von modernen Ideen und Wertvorstellungen in der Entwicklung von Balneologie, Medizin, Künsten und Freizeitaktivitäten über Grenzen hinweg beitrugen. Als solche waren die Kurstädte Inspirationsorte für bedeutende Künstler, Philosophen und Wissenschaftler und waren Entstehungsort herausragender Werke z.B. der Musik und der Weltliteratur.

Die Kurstädte waren Schauplätze wichtiger politischer Ereignisse, die oft in einem informellen Rahmen stattfanden. Dabei sprach man oft von „diplomathie thermale“, wie beispielsweise dem Treffen von 10 deutschen Fürsten mit Kaiser Napoleon 1860 oder dem Dreikaisertreffen 1872 in Baden-Baden.

Sie waren aber auch Experimentierfelder für die Verbürgerlichung und Demokratisierung der Gesellschaft durch neue Formen von Begegnungs- und Kommunikationsräumen, die eine Vermischung der Stände zuließ.

Die Great Spas of Europe zeichnen sich durch ihre europaweite Ausstrahlung und ein internationales Profil mit einer pluralistischen Gesellschaft aus und trugen zu grenzüberschreitenden kulturellen Entwicklungen bei. Somit lieferten sie einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung einer bürgerlichen multikulturellen europäischen Gesellschaft und wurden zu Geburtsstätten des modernen Tourismus.

5) Lebendige Kurtradition

Bis heute besitzen die Great Spas of Europe eine besondere Anziehungskraft für das internationale Publikum. In Fortführung der jahrhundertealten Kurtradition wird das Thermalwasser noch heute für medizinische Zwecke und für das Wohlbefinden des Menschen genutzt.

Durch wirksame Schutz- und Verwaltungsmaßnahmen zusammen mit wirtschaftlichen und medizinischen Erfolgen, gelang es ein unbegrenztes Wachstum zu steuern und die ursprüngliche Funktion und die unvergleichliche Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Nach wie vor erfüllen die Great Spas of Europe ihre Aufgabe als dauerhafte und verlässliche Orte der Heilung für Körper, Geist und Seele, wodurch sie einen anhaltenden Beitrag zur europäischen Kultur leisten.

Inhalt des Antragsdossiers

Das Antragsdossier umfasst in sechs Bänden 1434 Text- und Bildseiten sowie eine umfangreiche Dokumentation mit Kartenmaterial und wiegt 5,3 Kilo.

Es beschreibt den heutigen Erhaltungszustand der elf teilnehmenden Städte und deren Geschichte. Darüber hinaus wird begründet, warum die Great Spas of Europe den von der UNESCO eingeforderten „außergewöhnlichen universellen Wert“ besitzen. Eine Vergleichsstudie zeigt die Besonderheiten und die Bedeutung der gewählten Gruppe im globalen und europäischen Vergleich auf.

Weitere Kapitel des Antrags beschäftigen sich mit Managementstrategien, dokumentieren den gegenwärtigen Zustand der elf Städte sowie Schutzinstrumente zum Erhalt des Erbes. Die Antragsunterlagen für den seriellen Antrag wurden unter der Federführung der Tschechischen Republik erstellt. Die Stadt Baden-Baden lieferte mit Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege und des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg Text- und Bildmaterial über den Beitrag Baden-Badens zur Serie der elf Great Spas of Europe für viele Kapitel zu.

Chronologie des Antragsprojekts

  • 2010
    Internationale ICOMOS-Tagung „Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts“ in Baden-Baden, Initialzündung für die Bewerbung
  • 2011
    Erklärung der Bürgermeister einer ersten Gruppe von Bäderstädten zur gemeinsamen Arbeit an einer transnationalen seriellen Nominierung unter der Federführung der Tschechischen Republik
  • 2012
    Vorlage eines wissenschaftlichen Konzepts für die Bewerbung
  • 2014
    Schließung der Liste der Bewerberstädte (16 Städte)
  • 2015
    Internationale Vergleichsstudie über 45 europäische Bäderstädte
  • 2016
    Entscheidung der sieben Staatenvertreter (ISG – International Steering Group) über die finale Zusammensetzung der Bewerbergruppe (11 Städte) auf Grundlage der Vergleichsstudie
  • 2017 - 2019
    Erarbeitung der Antragsunterlagen
  • 22.01.2019
    Unterzeichnung des Welterbeantrags in der tschechischen Botschaft in Paris durch die sieben nationalen Botschafter bei der UNESCO in Anwesenheit der Bürgermeister
  • 23.01.2019
    Einreichung des Welterbeantrags beim Welterbezentrum in Paris
  • Frühjahr 2019 - Frühjahr 2020
    Evaluierung des Antrages durch Vertreter von ICOMOS International (Internationaler Rat für Denkmalpflege)

Ausblick

  • Frühjahr 2020
    Präsentation der Ergebnisse der Evaluierung und Empfehlung durch ICOMOS an das UNESCO-Welterbekomitee
  • 2020
    Tagung des Welterbekomitees und Entscheidung über die Einschreibung in die Welterbeliste

Aktuelles

Informationsmaterial

Ein Flyer zum Welterbeantrag der Great Spas of Europe und eine ausführliche Broschüre sollen die Bürger Baden-Badens, wie auch Besucher über die mit der Geschichte verbundenen Werte unserer Stadt, das Bewerbungsverfahren für die UNESCO Welterbeliste und die Bedeutung des Antrags für die Stadt informieren.

Die Informationsmedien wurden in Anlehnung an das Nominierungsdossier entwickelt. Der Flyer soll einen ersten Einblick in die Bewerbung, die elf Great Spas und die Rolle Baden-Badens innerhalb der Serie geben. Mit der dazugehörigen ausführlichen Broschüre möchte die Stabsstelle Welterbebewerbung und Stadtgestaltung über den Antrag und die umfangreichen Unterlagen, die in den vergangenen Jahren erarbeitet wurden informieren. Sie illustriert detailliert die Geschichte und Qualitäten unserer Stadt, stellt die anderen zehn Great Spas vor und informiert über den „außergewöhnlichen universellen Wert“ und die Kriterien unter denen die Great Spas of Europe nominiert worden. Alle Medien sind zweisprachig auf Deutsch und auf Englisch und sind kostenlos erhältlich.

Flyer und Broschüren sind in den Bürgerbüros, im Rathaus, in den Touristeninformationen, in den Ortsverwaltungen, im Stadtmuseum, in der Stadtbibliothek, im Kiosk am Leopoldplatz sowie auf vielen Veranstaltungen erhältlich.

Digitale Ausstellung im Stadtmuseum

Die digitale Ausstellung bietet den Besuchern die Gelegenheit sich selbstständig und interaktiv mit dem UNESCO-Welterbeantrag der Great Spas of Europe und der Geschichte Baden-Badens als eine der bedeutendsten europäischen historischen Kurstädte auseinanderzusetzen.

Wir freuen uns, dass diese Ausstellung in enger Zusammenarbeit zwischen dem Stadtmuseum, der Stadtbibliothek und der Stabsstelle Welterbebewerbung und Stadtgestaltung entstanden ist. Das Stadtmuseum als Aufbewahrungsort der materiellen Zeugnisse des Kurwesens des 19. Jahrhunderts und Vermittler der Stadtgeschichte ist ein besonders wichtiger Partner für den Welterbeantrag.

Die digitale Ausstellung soll das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit für die einzigartige Geschichte der Great Spas of Europe schärfen und durch den Touch Screen die Möglichkeit geben sich interaktiv mit dem Thema zu beschäftigen und sich beliebig weit in die Inhalte zu vertiefen. Die Ausstellung richtet sich gleichermaßen an Baden-Badener, aber auch an deutsche und internationale Besucher und ist daher zweisprachig angelegt.

Welterbewürfel in der Baden-Badener Innenstadt

Welterbewürfel steht an der FieserbrückeBild vergrößern

Der Welterbewürfel mit kurzen Texten und anschaulichen Abbildungen befand sich im Laufe des Jahres an verschiedenen Standorten in der Baden-Badener Innenstadt. Er ist die zentrale Anlaufstelle der Stadt für Informationen rund um den UNESCO-Welterbeantrag der Great Spas of Europe. Die Aktion ist Teil einer städtischen Kommunikations-Kampagne im Zuge der Bewerbung als UNESCO-Welterbe und soll gemeinsam mit dem dazugehörigen Flyer und der Broschüre die Bürgerschaft über den aktuellen Stand der Welterbbewerbung der Great Spas of Europe, den herausragenden universellen Wert der elf Kurstädte sowie Baden-Badens Bedeutung innerhalb der Serie informieren.  Momentan befindet sich der Welterbewürfel auf dem Leopoldsplatz.