Antrag als UNESCO Welterbe

„Great Spas of Europe“

Blick von Westen über Baden-Baden Bild vergrößern
(c) Willi Walter, 2009 Blick von Westen über Baden-Baden

Baden-Baden blickt auf eine reiche Kulturgeschichte seit der Antike zurück. Seine Glanzzeit als „Sommerhauptstadt Europas“ im 19. Jahrhundert spiegelt sich bis heute im Stadtbild wider. In dieser Zeit zählte Baden-Baden zu den europäischen Kurstädten von Weltgeltung. Dies schlug sich unter anderem in seiner spezifischen städtbaulichen Entwicklung nieder, die noch heute als besonderer Stadttypus erfahrbar ist.

Seit Sommer 2014 steht Baden-Baden gemeinsam mit zehn weiteren europäischen Kurstädten unter dem Titel „Great Spas of Europe“ auf der Tentativliste der UNESCO. Unter dem Begriff “Great Spas of Europe“ (Bedeutende Kurstädte Europas), werden Kurstädte verstanden, die im 19. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Ihre Kurtradition und städtebauliche Anlage gelten als repräsentativ für das Phänomen der europäischen Kurstadt und sind bis heute geschlossen in ihrer Struktur und historischen Substanz erhalten.

Welterbeantrag eingereicht

Am 22. Januar 2019 wurde in der Botschaft der Tschechischen Republik in Paris die endgültige Fassung des Nominierungsdossiers des transnationalen seriellen UNESCO-Welterbeantrages ‘ Great Spas of Europe‘ unterzeichnet. Die Nominierung wurde von Vertretern aller sieben Teilnehmerstaaten in Anwesenheit der Bürgermeister unterzeichnet - Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland.

Am 23. Januar 2019 wurde der Nominierungsvorschlag rechtzeitig an das Welterbezentrum in Paris übermittelt. Damit wurde ein nahezu zehnjähriger Vorbereitungsprozess nach Vorgaben der sog. Operational Guidelines der UNESCO abgeschlossen. Es mussten zahlreiche Entwürfe für Text-, Bild- und Kartenmaterial erarbeitet, diskutiert und untereinander abgestimmt werden. Nicht zuletzt wurde die bereits für Januar 2018 vorgesehene Einreichung aufgrund fachlicher Vorbehalte gegenüber dem damaligen Zustand der Antragsunterlagen um ein Jahr verschoben.

Der Vorschlag zur Aufnahme in die Welterbeliste wird im nächsten Bewertungszyklus in den Jahren 2019 und 2020 von der UNESCO geprüft. Die nächsten Schritte werden dann vom Welterbekomitee auf seiner nächsten Sitzung im Jahr 2020 festgelegt.

Welterbeantrag: Unterschriften der elf Bürgermeister
Welterbeantrag: Unterschriften der sieben Botschafter
Die Botschafter mit dem Welterbeantrag vor dem Eiffelturm in Paris
Gruppenfoto der Botschafter und Bürgermeister der beteiligten Städte
Oberbürgermeisterin Mergen mit den Bürgermeistern der weiteren deutschen Städten: Bad Ems und Bad Kissingen. alle halten einen Teil der Bewerbungsu8nterlagen in der Hand.

Inhalt der Bewerbung

Die Great Spas of Europe stellen ein außergewöhnliches Zeugnis der europäischen Bädertradition dar, eines komplexen städtebaulichen, gesellschaftlichen und kulturellen Phänomens, dessen Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. Ihre Blütezeit erlebten diese Bäderstädte aber in der Zeitspanne zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Die Entwicklung eines innovativen, auf medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Funktionen ausgerichteten städtebaulichen Siedlungstyps nahm ihren Ausgangspunkt an den natürlichen Thermalwasservorkommen. In diesen mondänen Stätten der Gesundheitspflege, der Muße und des geselligen Umgangs bildeten sich architektonische Prototypen und eine städtebauliche Typologie heraus, für die es keine frühere Parallele gibt. Die Great Spas of Europe waren Vorreiter in der Entwicklung des modernen Tourismus und stellten eine kulturelle Konkurrenz zu den großen Metropolen des 19. Jahrhunderts dar. 

Inhalt des Antragsdossiers

Das Antragsdossier umfasst in sechs Büchern 1434 Text- und Bildseiten, sowie eine umfangreiche Dokumentation mit Kartenmaterial und wiegt 5,3 Kilo. Es beschreibt den heutigen Zustand der elf teilnehmenden Städte und deren Geschichte. Darüberhinaus wird in einer Argumentation begründet, warum die Great Spas of Europe den von der UNESCO eingeforderten „außergewöhnlichen universellen Wert“ besitzen. Eine sog. Vergleichsstudie zeigt die Besonderheiten und die Bedeutung der gewählten Gruppe im globalen und europäischen Vergleich auf.

Weitere Kapitel des Antrags beschäftigen sich mit Managementstrategien, dokumentieren Schutzinstrumente zum Erhalt des Erbes, dokumentieren den gegenwärtigen Zustand der 11 Städte, usw. Für viele dieser Kapitel wurde aus Baden-Baden – und mit Unterstützung des Landesamts für Denkmalpflege und des Wirtschaftsministeriums – Text- und Bildmaterial zugeliefert.

Chronologie des Antragsprojekts

  • 2010
    Internationale ICOMOS-Tagung „Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts“ in Baden-Baden, Initialzündung für die Bewerbung
  • 2011
    Erklärung der Bürgermeister einer ersten Gruppe von Bäderstädten zur gemeinsamen Arbeit an einer transnationalen seriellen Nominierung unter der Federführung der Tschechischen Republik
  • 2012
    Vorlage eines wissenschaftlichen Konzepts für die Bewerbung
  • 2014
    Schließung der Liste der Bewerberstädte (mittlerweile 16 Städte)
  • 2015
    Internationale Vergleichsstudie über 45 europäische Bäderstädte
  • 2016
    Entscheidung durch die sieben Staatenvertreter über die Zusammensetzung der Bewerbergruppe (11 Städte) auf Grundlage der Vergleichsstudie
  • 2017 - 2018
    Erarbeitung der Antragsunterlagen
  • 22.01.2019
    Unterzeichnung des Welterbeantrages in der tschechischen Botschaft in Paris durch die sieben nationalen Botschafter bei der UNESCO in Anwesenheit der Bürgermeister
  • 23.01.2019
    Einreichung des Welterbeantrags beim Welterbezentrum in Paris

Ausblick

  • 2019
    Evaluierung des Antrages durch Vertreter von ICOMOS international (Internationaler Rat für Denkmalpflege)
  • 2020
    Frühjahr: Präsentation der Ergebnisse der Evaluierung und Empfehlung an das Welterbekomittee
    Sommer: Tagung Welterbekomittee und Entscheidung über die Einschreibung in die Welterbeliste

Trickfilm „Die Feder der Zeit“

Der Trickfilm „Die Feder der Zeit“ entstand im Rahmen der Erlebniswoche des Kinder- und Jugendbüros im Sommer 2018, anlässlich des Welterbeantrags der Stadt Baden-Baden. Bei einem Trickfilmwettbewerb um den „Goldenen Kugelkönig 2018“ des Kinomobil Baden-Württemberg konnte dabei sogar der erste Platz gewonnen werden.


Welterbewürfel in der Baden-Badener Innenstadt

Der Welterbewürfel wandert mit kurzen Texten und anschaulichen Bildern in der Baden-Badener Innenstadt umher. Die Aktion ist Teil einer städtischen Kommunikations-Kampagne im Zuge der Bewerbung als UNESCO-Welterbe und soll Interessierte auf den Antrag hinweisen und die wesentlichen Inhalte präsentieren.

Welterbewürfel am Augustaplatz.
Welterbewürfel am Augustaplatz.
Welterbewürfel am Augustaplatz.

Forum Welterbe - Informationen für Bürgerinnen und Bürger

Am Montag, 8. Mai 2017, ging es im Baden-Badener Rathaus ganz darum, die Bürger über die transnationale serielle Bewerbung für die Aufnahme in das Welterbe zu Informieren.

Oberbürgermeisterin Magret Mergen eröffnete die Veranstaltung. Lisa Poetschki (städtische Koordinatorin Unesco-Welterbe), Pressesprecher Roland Seiter und Vertreter der IHK und des Landesamts für Denkmalpflege informierten anschließend zu den Hintergründen und dem Konzept der Bewerbung. Ziel der Veranstaltung war, die Bevölkerung zu begeistern und in das Projekt einzubinden.