Nominierte Welterbestätte Baden-Baden

Teil der länderübergreifenden seriellen Nominierung Great Spas of Europe

Baden-Badens Beitrag zur Serie der Great Spas of Europe besteht in seiner ungebrochenen Tradition in der Nutzung des Thermalwassers, die von der Antike bis in die Gegenwart reicht. Die Quellen wurden bereits von den Römern genutzt, die zu Initiatoren dieser fast 2000-jährigen Tradition der Heilung wurden. Diese Entwicklungsphasen haben bedeutsame Spuren im Stadtbild hinterlassen, doch besonders das 19. Jahrhundert dominiert das heutige Erscheinungsbild. Diese stadtgeschichtlich bedeutsame Phase spiegelt sich im

neuen Kurviertel, welches zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf der anderen Seite der Oos, getrennt von der Altstadt, entstand. Dort befindet sich u.a. neben dem Theater und der Trinkhalle vor allem das Kurhaus mit dem Kasino, das Baden-Baden zu weltweiter Bekanntheit als bedeutendstes Spielebad und eine von Europas modischsten Kurstädten ihrer Zeit verhalf.

Beschreibung der nominierten Welterbestätte

Plan mit Darstellung der Welterbezone und der PufferzoneBild vergrößern
Das Gebiet der nominierten Welterbestätte

Der außergewöhnlichen universellen Wert (OUV) setzt sich aus verschiedenen physischen Attributen zusammen, dazu gehören die historische städtebauliche Struktur, die Quellen, das architektonische Ensemble von Kurgebäuden, die Kur- und Erholungslandschaft sowie Immaterielle Werte in Form von wissenschaftlichen, künstlerischen und literarischen Werten; die Internationalität der Kurstädte und besondere Ereignisse. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Great Spas of Europe ist ihre fortwährende Kurtradition und ihr gelebtes Erbe.

In Baden-Baden bilden folgende Stadtquartiere einen wichtigen Teil des UNESCO-Welterbeantrags der Great Spas of Europe:

Altstadt mit historischem Bäderviertel

Am Fuße des Schlosses erstreckt sich die Altstadt mit dem bis in die Antike zurückreichenden Bäderviertel. Die mittelalterliche Unterstadt umfasst den Marktplatz mit der Stiftskirche und das seit 1862 bestehende Rathaus. Nördlich der Stiftskirche schließt sich mit dem Alten Dampfbad sowie dem monumentalen Friedrichsbad das Bäderquartier des 19. Jahrhunderts an. Es gründet auf den unter dem Marktplatz liegenden antiken „Kaiserthermen“ sowie auf den römischen Soldatenbädern, deren Ruinen in einer Ausstellung begehbar sind.

Kurviertel

Das "neue" Kurviertel des späten 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem baulichen Ensemble aus Kurhaus, Kasino, Trinkhalle, Theater und Kolonnaden in offener Parklandschaft befindet sich unterhalb des Friesenbergs. Den Übergang von der Stadt zum Kurviertel bildet die Fieserbrücke über der Oos.

Das Kurviertel bildet nach wie vor den Mittelpunkt der Kurstadt. Im Zentrum des Kurviertels steht das 1822-24 von Weinbrenner errichtete Konversationshaus. Während sich der Festsaal hinter dem Portikus befindet, umfasst der nördliche Eckpavillon die Spielbank. Leicht zu erkennen ist das in französischer Architektur erbaute benachbarte Theater. Die 1839-42 erbaute Trinkhalle besteht aus einer Wandelhalle und einer Trinkhalle, in der aus einem zentralen Trinkbrunnen Thermalwasser fließt. Oberhalb der Trinkhalle liegt der als Landschaftsgarten gestaltete Michaelsberg mit der rumänisch-orthodoxen Stourdzakapelle.

Kur- und Erholungslandschaft

Bei der Kur- und Erholungslandschaft handelt es sich zum einen um die innerstädtischen Gärten, Parks und Grünanlagen und zum anderen die umgebende freie Landschaft mit ausgedehnten Wäldern und Burgen, die den landschaftlichen Rahmen für die Kurstadt bilden. 

Die berühmte, 2,3 km lange innerstädtische Lichtentaler Allee entlang der Oos beginnt am Goetheplatz und endet am Klosterplatz in Lichtental. Sie führt entlang dem früheren Palais der schwedischen Königin Friederike (dem Stammsitz des Internationalen Clubs,(heute LA 8), der 1908 entstandenen Staatlichen Kunsthalle und dem angrenzenden zeitgenössischen Museum Frieder Burda sowie zahlreichen palastartigen Hotels. Eine wesentliche Rolle spielt im Verlauf der Allee der Oosbach, der das Rückgrat für die gesamte Parkanlage, der im Stil eines englischen Landschaftsgartens im 19. Jahrhundert gestaltet wurde, bildet. Der weitläufige Landschaftspark wird geprägt von einem großen Bestand an heimischen und exotischen Bäumen und Pflanzen.

Unweit des ersten Tennisclubs Deutschlands, befindet sich die sogenannte Gönneranlage von 1909-1912. Hierbei handelt es sich um eine streng geometrische Gartenanlage von Max Laeuger, in deren Mitte sich ein Brunnen im Jugendstil des Münchener Bildhauers Josef Flössmann erhebt.

Villenviertel Beutig-Quettig und Annaberg

Das älteste Baden-Badener Villengebiet Beutig-Quettig oberhalb des Kurhauses und der Lichtentaler Allee weist eine Vielzahl an repräsentativen historischen Villen auf. Besitzer waren Industrielle, Künstler und Adlige, die ihre Häuser zeitweise vermieteten, oder sich dauerhaft niederließen.

Steigende Einwohnerzahlen sorgten um 1902/3 für die Ausweisung des Annabergs als Villengebiet Friedrichshöhe. Dieses Villengebiet besitzt mit der Wasserkunstanlage „Paradies“ eine bedeutende Garten- und Wohnanlage der 1920er Jahre nach Entwürfen Max Laeugers.

Vorstädte

Die Vorstädte des frühen 19. Jahrhunderts markieren die Stadterweiterung außerhalb der Stadtmauern. Die Ooser Vorstadt besitzt mit dem heutigen Hindenburgplatz den wichtigsten städtebaulichen Übergang von der Altstadt zum Bahnhofsviertel (heute Bereich Festspielhaus).

Die Lichtentaler Vorstadt kennzeichnet die planmäßige Stadterweiterung im 19. Jahrhundert. Als Entrée in die „Protestantische Vorstadt“ fungiert die ab 1855 errichtete evangelische Stadtkirche. Zwischen Maria-Victoria-Straße und Ludwig-Wilhelm-Straße erstreckt sich ein planmäßiges angelegtes Villengebiet mit repräsentativen großen Stadtvillen. Der Bau der Russisch-orthodoxen Kirche mit dem charakteristischen vergoldeten Zwiebelturm wurde 1881/2 durch Spenden finanziert. Die an die Lichtentaler Allee angrenzenden Grundstücke sind große Villen- und Hotelanlagen, darunter das ehemalige Hotel Stéphanie-Les-Bains (seit 1880 Luxushotel Brenners Parkhotel) sowie das ehemalige Hotel Bellevue.

Lichtentaler Allee
Blick von Süden auf Altstadt und Annaberg
Stourdza-Kapelle
Gebäude Russische Kirche
Lichtentaler Vorstadt mit Brenners Park-Hotel
Paradies
Badischer Hof
Villa Turgenew
Blick von Osten über die Innenstadt Richtung Rheinebene
Trinkhalle
Trinkhalle
Blick auf das Kurhaus, den Kurgarten und das Gebäude des Casinos

Zentrale Einzelobjekte des UNESCO-Welterbeantrags

Stadtplan mit Darstellung der Einzelobjekte des UNESCO-WelterbeantragsBild vergrößern

Die folgende Liste nennt die zentralen Einzelobjekte in Baden-Baden die Teil des UNESCO-Welterbeantrags sind:

Thermalquellen

  1. Höll-Quelle
  2. Friedrichs-Quelle
  3. Juden-Quelle
  4. Brüh-Quelle
  5. Neue-Stollen-Quelle
  6. Ursprungs-Quelle
  7. Kühl-Quelle
  8. Freibad-Quelle
  9. Höllgass-Quelle
  10. Kirchenstollen-Quelle
  11. Fett-Quelle
  12. Mur-Quelle
  13. Kloster-Quelle


Gebäude, die mit den Heilquellen in Verbindung stehen

  1. Römische Ruinen (1. Jh.)
  2. Friedrichsbad (1869-1877)
  3. Baldreit (1460/1689)
  4. Fürstliches Bad im Neuen Schloss (ca. 1660)
  5. Trinkhalle (1839-42)
  6. Altes Dampfbad (1846-48)


Gebäude für Freizeit und Vergnügen

  1. Konversationshaus im ehemaligen Jesuitenkolleg, heute Rathaus (1674-79/1810-12)
  2. Konversationshaus/ Kurhaus (1821-24)
  3. Theater (1860-62)
  4. Kurhauskolonnaden (1867-68)
  5. Palais der Königin Friederike von Schweden, später Internationaler Club, heute Kulturhaus LA8 (1820-22)
  6. Staatliche Kunsthalle (1906-09)
  7. Konzertmuschel (1920)


Unterkünfte

  1. Hotel Badischer Hof (1807)
  2. Hotel Stéphanie-les-Bains / Brenners Park-Hotel & Spa (1834-95)
  3. Villa Winterhalter / Trianon (1858-60)
  4. Villa Merck (1859)
  5. Villa Turgenev (1864-67)
  6. Villa Sirius (1910)
  7. Schloss Solms (1873-87)


Kirchen

  1. Kloster Lichtenthal (1245)
  2. Stiftskirche (13. Jahrhundert)
  3. Kloster zum Heiligen Grab (1687-89)
  4. Evangelische Stadtkirche (1855-64)
  5. Stourdza Kapelle (1864-66)
  6. Anglikanische Kirche (1864-67)
  7. Russisch-Orthodoxe Kirche (1880-82)


Kurlandschaft

  1. Schlossgarten
  2. Lichtentaler Allee
  3. Kurgarten
  4. Gönneranlage
  5. Paradies
  6. Hauptfriedhof


Kurstädtische Infratsruktur

  1. Molkenkur (1870)