UNESCO-Welterbe – Was bedeutet das?

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(c) HHP Blick von der Schlossterrasse über die Altstadt.

Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) ist eine von 17 unabhängigen Spezialorganisation der Vereinten Nation (UN). Sie wurde am 16. November 1945 gegründet. Ihr Ziel ist die Schaffung von Frieden durch internationale Kooperation in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die UNESCO fördert zudem den internationalen Frieden und Respekt für Menschenrechte. Ihre Mission ist zum weltweiten Frieden, der Verminderung von Armut, einer nachhaltigen Entwicklung und interkulturellem Dialog beizutragen. Die UNESCO zählt 195 Mitgliedsstaaten und elf Assoziierte Mitglieder.

1972 verabschiedete die UNESCO in Paris die sogenannte Welterbekonvention. Dieses Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt erkennen mittlerweile 193 Staaten auf der ganzen Welt an. Ziel der Konvention ist es, jene Kultur- und Naturstätten zu schützen und zu bewahren, die von „außergewöhnlichem universellem Wert“ (OUV) sind, um sie an zukünftige Generationen weitergeben zu können.

Wie lang ist die Welterbeliste?

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(c) Torben Beeg Kurhaus

Die von der UNESCO geführte Welterbeliste zählt 1121 Denkmäler in 167 Ländern (Stand Februar 2020). Deutschland besitzt derzeit 46 Welterbestätten. Davon befinden sich sechs in Baden-Württemberg.

Was ist ein Welterbenominierungsverfahren?

Um in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen zu werden, müssen die Stätten von herausragendem universellem Wert (OUV) sein und mindestens eines der zehn Auswahlkriterien der UNESCO erfüllen.

Ein Welterbeantrag kann nur von einem Vertragsstaat selbst eingereicht werden. Während der Kultusministerkonferenz (KMK) werden zunächst Kultur- oder Naturstätten von den Ländern für die nationale Vorschlagsliste, die sogenannte „Tentativliste“ vorgeschlagen und zu einer gemeinsamen deutschen Vorschlagsliste zusammengestellt, die als Grundlage für kommende Anmeldungen zum UNESCO-Welterbe dient.

Daraufhin wird ein Nominierungsantrag nach den Vorgaben der UNESCO (Operational Guidelines) erstellt, der die Begründung für den „außergewöhnlichen universellen Wert“, die Geschichte, den Erhaltungszustand sowie das Management der Stätte beinhaltet.

Der Nominierungsantrag wird jeweils zum 31. Januar dem UNESCO-Welterbezentrum in Paris übergeben. Das Welterbezentrum prüft die eingegangenen Anträge auf formale Vollständigkeit.

Das UNESCO-Welterbezentrum wird bei der Auswertung der Anträge durch Beraterorganisationen unterstützt. Anträge für Kulturerbestätten werden vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS, International Council on Monuments and Sites) bewertet. Anträge für Naturerbestätten werden von der Internationalen Union zur Erhaltung der Natur (IUCN, International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) bewertet. Die Evaluierung der Anträge dauert etwa ein Jahr. Dazu wird zum einen der Antrag von Experten inhaltlich bewertet, zum anderen die Stätten vor Ort begutachtet im Hinblick auf den Erhaltungszustand, der Wirksamkeit der bestehenden Schutzmechanismen sowie des Managements und der Vermittlungsarbeit. Auf Grundlage der Empfehlungen von ICOMOS und IUCN entscheidet das Welterbekomitee in seinen jährlichen Sitzungen (Juni-Juli) über die Aufnahme in die Welterbeliste.

Der Antrag der Great Spas of Europe wurde am 27. Februar 2019 beim UNESCO-Welterbezentrum in Paris eingereicht. Die Prüfung auf Vollständigkeit erfolgte im Februar 2019. Anschließend leitete das Welterbezentrum eine Kopie des Antrags an ICOMOS zur Technischen Prüfung. Die Evaluierung der Great Spas of Europe erfolgte von Frühjahr 2019 bis Frühjahr 2020. Die Sitzung des Welterbekomitees 2020 war vom 29. Juni bis 10. Juli 2020 im chinesischen Fouzhou geplant. Dieser Termin wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Ein neuer Termin steht noch nicht fest (Stand 28. April 2020).

Welche Verpflichtungen geht eine Welterbestätte ein?

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Trinkhalle Wandelhalle

Die Staaten verpflichten sich die Stätten zu schützen, zu pflegen und nachhaltige Entwicklungs- und Tourismuskonzepte umzusetzen. Hierbei wenden sie die ihnen zur Verfügung stehenden nationalen Rechtsgrundlagen und Schutzinstrumente wie das Denkmalrecht sowie Bau- und Planungsrecht an. Die Welterbestätten werden regelmäßig intern und von internationalen Fachgremien überprüft.