Erinnerungskultur

Die Stadt Baden-Baden gedenkt mit verschiedenen Veranstaltungen während des Jahres den Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen. Diese Erinnerungskultur ist eine Verpflichtung, die ständig erneuert werden muss und auch an die jüngere Generation weitergegeben wird.

Gedenkveranstaltung Reichspogromnacht

Zur Erinnerung an die historischen Ereignisse 1938 lädt die Stadt Baden-Baden jedes Jahr am 10. November zur Gedenkveranstaltung gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ein.

Am 9. und 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen. In Baden-Baden wurden jüdische Männer zur Polizeidirektion gebracht und registriert. Danach wurden sie gezwungen, durch die Innenstadt zur Synagoge zu gehen. Bei dem ca. einstündigen Marsch durch die Stadt versammelte sich eine größere Menschen-menge. Dabei wurden die jüdischen Männer beschimpft, bespuckt und geschlagen. Die Synagoge wurde anschließend in Brand gesetzt. Die jüdischen Männer transportierte man schließlich zum KZ Dachau - einige konnten später nach Baden-Baden zurückkehren.

Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Gurs

Das Lager Gurs wurde 1939 zur Internierung der aus Spanien geflohenen Soldaten errichtet. 1940 befand es sich unter der Verwaltung der Vichy-Regierung. Die von den nationalsozialistischen Machthabern am 22. Oktober 1940 aus Baden, der Pfalz und dem Saarland deportierten über 6.500 Jüdinnen und Juden wurden vom Vichy-Regime in das Lager Gurs verbracht und fanden dort unmenschliche Verhältnisse vor. Das Lager war ringsum von Stacheldraht eingezäunt und streng bewacht. Es bestand aus 382 primitivsten, rund 145 Quadratmeter großen Baracken, in denen jeweils bis zu 60 Personen untergebracht waren. Das Essen war spärlich, es fehlte an sanitären Anlagen. Viele Menschen starben an Entkräftung, Epidemien oder aus Mangel an Medikamenten. Etwa zwei Drittel der nach Gurs verschleppten Jüdinnen und Juden wurden zwischen 1942 und 1944 in die Vernichtungslager im Osten gebracht. Für sie wurde Gurs so zur „Vorhölle von Auschwitz“.

Breits im Jahr 1945 wurde ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer errichtet. Der zunächst noch gepflegte Friedhof verwilderte aber im Laufe der Jahre zusehends, bis 1957 der Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz die Initiative zu dessen Instandsetzung ergriff, unterstützt vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Die badischen Städte, Gemeinden und Kreise, aus denen jüdische Bürger nach Gurs deportiert und dort begraben wurden, finanzierten mit Spenden die Neugestaltung. Der Friedhof mit 1073 Gräbern wurde am 26. März 1963 feierlich eingeweiht.

In den folgenden Jahren traten viele weitere Städte bei, seit 2010 ist die Stadt Baden-Baden Mitglied. Regelmäßig finden Gedenkveranstaltungen  in Gurs statt.