Ein Jahrgang der Träume und der gelebten Integration: Gymnasium Hohenbaden feiert seine Abiturienten
Glänzender Notenschnitt und tiefgründige Impulse
Baden-Baden. In der vollbesetzten Aula des Gymnasiums Hohenbaden erhielten die Abiturientinnen und Abiturienten letzte Woche (9. Juli) ihre Zeugnisse. Umrahmt von den Klängen des schuleigenen Orchester-Quintetts eröffnete der Schulleiter Martin Müller den offiziellen Festakt mit herzlichen Begrüßungsworten und warf sogleich eine grundlegende Frage auf: Was macht die besondere Aura des Wortes „Abitur“ eigentlich aus? Ist es der Eintrittsschein in den Traumberuf, das Ende des Schülerdaseins oder der Wunsch, die Welt zu verändern?
Mit einem exzellenten Gesamtdurchschnitt von 2,0 und dreimal der Traumnote von 1,0 (Roman Pavlish, Cedrik Dohm und Liv Bielefeld) meisterte die Stufe die Hürden der Allgemeinen Hochschulreife mit Bravour – ein Ergebnis, das laut Schulleitung die im Schulgesetz verankerte Fähigkeit beweist, „vielschichtige Zusammenhänge zu durchschauen und theoretische Erkenntnisse nachzuvollziehen“. Besonderes Augenmerk legte der Schulleiter in seiner Festansprache auf die Ereignisse ab dem Jahr 2022: Der Ausbruch des Ukraine-Krieges brachte eine Welle der Veränderung mit sich. Bis zu zehn geflüchtete Jugendliche wurden zeitweise mitten im laufenden Schuljahr pro Klasse aufgenommen – ohne zusätzliche Räume oder personelle Ressourcen. Was als logistische und menschliche Unsicherheit begann, entwickelte sich dank der Offenheit, Toleranz und Hilfsbereitschaft der Schülerschaft zu einer echten Erfolgsgeschichte.
Sonderpreis für außergewöhnliche Leistungen
Für ihre herausragenden akademischen und integrativen Leistungen wurden fünf ehemalige Schüler der Vorbereitungsklasse (VKL) mit einem Sonderpreis ausgezeichnet: Sofiia Lebid, Artem Bocharov, Bohdan But, Roman Pavlish und Andrii Pokhila. Sie erlangten nicht nur die Gymnasialempfehlung und das Abitur in deutscher Sprache, sondern absolvierten parallel dazu online ihre ukrainischen Schulabschlüsse.
Die Macht der Worte und der Wert des Scheiterns
In seiner Scheffelpreisrede sprach Cedrik Dohm in Form einer fiktiven Geschichte über die „gedankliche Lebensreise“ eines alten Mannes auf dem Sterbebett hielt der Preisträger seinen Mitschülern und den Erwachsenen den Spiegel vor. Er beklagte eine Gesellschaftsstruktur, in der „Träumer“ oft negativ konnotiert sind, obwohl die Welt gerade Visionäre brauche, um positive Veränderungen anzustoßen. „Erwachsen werden heißt nicht, aufhören zu träumen. Es heißt, Verantwortung für die eigenen Träume zu übernehmen. Das Bestehen des Abiturs sei dabei der zweite Schlussstein unseres Erwachsenwerdens.“ Darüber hinaus reflektierte der Redner selbstkritisch die Dynamiken innerhalb seiner Stufe. Er mahnte die Anwesenden zu einer wertschätzenden Kommunikation: „Worte besäßen die Macht, Menschen zu verletzen, aber auch aufblühen zu lassen.“ Ein zentrales Plädoyer hielt der Abiturient für eine positive Fehlerkultur. In der modernen Welt werde Scheitern oft als Makel gesehen, dabei sei das Eingestehen eines Fehlers „die reinste Form des Selbstwertgefühls“ und eine unverzichtbare Chance im lebenslangen Lernprozess.
Dank an die Wegbegleiter
Zum Ende der feierlichen Stunde dankte Schulleiter Martin Müller den scheidenden Elternvertretern für ihre langjährige Unterstützung – vom Pausenbrot bis zur Gremienarbeit. Dabei richtete er seinen ganz besonderen Dank an Maria Gerhards-Klingler, die sich acht Jahre lang als Elternvertreterin und sieben Jahre davon als stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende mit unermüdlichem persönlichem Einsatz um das Wohl der Schule verdient gemacht hat und nun mit dem Abitur ihres Sohnes Johannes verabschiedet wurde.