Menschen kümmern sich um die Baumfällarbeiten an der Trauerbuche in der Lichtentaler Allee.
Bei der großen Trauerbuche in der Lichtentaler Allee musste der morsche Hauptstamm abgenommen werden. Er verbleibt aber vor Ort als wertvolles Biotop für zahlreiche Insekten und Käfer.

Abnahme des Hauptstamms der großen Trauerbuche in der Lichtentaler Allee

Baden-Baden. Die große Trauerbuche (Fagus sylvatica ‘Pendula‘) in der Lichtentaler Allee in Höhe des LA 8 gehört zu den markantesten Bäumen der Baden-Badener Kuranlagen. Das Alter dieses mächtigen und markanten Baums wird auf über 150 Jahre geschätzt. In den vergangenen 20 Jahren hatte der Hauptstamm des Baums deutlich an Vitalität verloren. Daher wurde durch das Gartenamt bereits im Dezember 2006 die bis dahin vorhandene einzelne Stahlstütze zur Stabilisierung des Hauptstamms durch eine Dreieckskonstruktion und zusätzliche Stützen ergänzt. Diese haben in den vergangenen 20 Jahren die Statik des Baums gesichert.

Vorhandene Hauptstamm hat sich weiter zersetzt

Im März 2019 musste dann die mittlere Hauptkrone des Baums entfernt werden, da Teile der Krone abgestorben waren. Damals verblieb aber ein etwa sieben Meter langes Stück des Hauptstamms, an dem noch einzelne Äste grün waren. Dieser wurde nach wie vor durch Stahlstützten abgesichert. Ziel dieser Maßnahmen war, die große Trauerbuche langsam und sichtbar absterben zu lassen. Durch den schon lange vorhandenen Schutzzaun konnte dies ermöglicht werden.

In den vergangenen zwei Jahren hatte sich der noch vorhandene Hauptstamm weiter zersetzt. Alle grünen Äste waren nach und nach abgestorben. Inzwischen bestand die Gefahr, dass der morsche Hauptstamm trotz der Stahlstützen in sich zusammenbricht. Daher hat das Gartenamt entschieden, nun den Hauptstamm abzunehmen und innerhalb des abgesperrten Bereichs abzulegen. Er kann sich dort weiter zersetzen und mit seinem weichen Holz und Mulm ein wertvolles Biotop für zahlreiche Insekten, vor allem für seltene und geschützte Käferarten, bilden. Auch wird das langsame Absterben und Zersetzen des Baums am Ende seines Baumlebens nach wie vor erlebbar sein. Die Stahlstützen werden entfernt.

Weitere Informationen

Die Trauerbuche in der Lichtentaler Allee weist eine große Besonderheit auf, die es nur bei wenigen Trauerbuchen in historischen Gärten in Deutschland gibt. An den Stellen, an denen ihre Äste auf den Boden aufgekommen sind, haben diese Wurzeln gebildet, so dass aus den natürlichen „Absenkern“ neue „Tochterbäume“ entstehen konnten, die genetisch immer noch Teil der großen Trauerbuche sind. Biologisch ist der Baum also keineswegs abgestorben, sondern existiert nach wie vor als eindrucksvolle Baumsilhouette und grüner Hintergrund für den Steinbrunnen in der Lichtentaler Allee weiter.

Gartenamtsleiter Markus Brunsing erläuterte bei einem Pressetermin die gesamte Vorgehensweise und Hintergründe und betonte abschließend: „Es war immer das Ziel, diesen Baum in Würde altern zu lassen. Denn er hat eine so lange Geschichte, ist ein Schmuckstück in der Allee und besitzt trotz seines hohen Alters eine bewundernswerte Vitalität.“