Otto Flake (1880 - 1963)

Porträt Otto Flake
Otto Flake

Otto Flake wurde am 29.10.1880 in Metz geboren. Sein Vater, ein Justizbeamter, nahm sich das Leben, als Flake neun Jahre alt war. Der schwierigen Schulzeit in Colmar folgte 1900 das Studium der Germanistik, Philosophie, Sanskrit und der Kunstgeschichte in Straßburg, das Flake nicht abschloss.

Sein elsässisches Bewusstsein machte ihn "Zum guten Europäer", so der Titel einer Essaysammlung, und führte ihn im Kreis des "Jüngsten Elsaß" unter anderem mit René Schickele und Ernst Stadler zusammen, mit denen er ab 1902 die Zeitschrift "Der Stürmer", ab 1903 umbenannt in "Der Merker", herausgab.

Der Schriftsteller Otto Flake

Zunächst Hauslehrer in Sankt Petersburg, ging Flake 1907 als Feuilletonchef zum "Leipziger Tagblatt". Ab 1909 lebte er als freier Schriftsteller an wechselnden Wohnorten.

Die ersten belletristischen Erfolge hatte er mit dem Roman „Freitagskind“ (1912). Als Theaterzensor im besetzten Brüssel traf Flake 1917 u.a. Gottfried Benn. 1918, als Korrespondent in Zürich, schloss sich Flake den Dadaisten an. Mit Walter Serner und Tristan Tzara gab er die letzte Publikation des Dada in Zürich heraus und charakterisierte den Kreis um Hans Arp und Hugo Ball in dem Roman „Nein und Ja“ (1920). Später distanzierte sich Flake von seinen Werken experimenteller Prosa und kehrte zum linearen Erzählen zurück. Die ihm angemessene Form fand er in historischen Biographien ebenso wie mit seinen Romanen, die er als fiktive Biographien verstand.

Auf Wunsch seines Verlages unterschrieb Flake 1933 eine „Loyalitätserklärung deutscher Schriftsteller" an den Reichskanzler Adolf Hitler. Damit geriet er bei den antifaschistischen Kreisen in Misskredit. Andererseits verweigerten die Nationalsozialisten dem linksbürgerlichen Autor das Papier zum Druck seiner Werke.

Die Kriegsjahre verbrachte er unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in zunehmender Isolation in Baden-Baden, wo er sich 1928 niedergelassen hatte. Dort hatte er 1932 in fünfter Ehe die sehr viel jüngere Baden-Badenerin Marianne Hitz, eine Halbjüdin, geheiratet, wirtschaftliche Schwierigkeiten lassen Gedanken an eine Emigration allerdings nicht zu. Der Schriftsteller verwandelt sich in einen von Schulden geplagten Schreibtischarbeiter. 1933 erscheint "Hortense oder die Rückkehr nach Baden-Baden". Der Roman führt den Badeort in die neuere Literatur ein.

Nach dem Kriegsende wird Flake Mitglied des antifaschistischen Kulturrats und lernt den aus der Emigration zurückgekehrten Alfred Döblin kennen. In der Nachkriegszeit war Flake fast vergessen, Rundfunkbeiträge und Übersetzungen sicherten ihm das Überleben. Den Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg erhält Otto Flake 1954. Das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik folgt im Jahr darauf.

Erst 1958 kam es durch die engagierte Vermittlung Rolf Hochhuths zu einer Renaissance seiner Werke. 1960 würdigt auch Baden-Baden seinen Schriftsteller mit der Verleihung des Heimatpreises der Stadt. Flake leidet an Herzerweiterung und Leberbeschwerden, trotzdem schreibt er weiter. Am 10. November 1963 stirbt Otto Flake im Baden-Badener Krankenhaus.

Werke Otto Flakes

  • Straßburg und das Elsass (Heimatbuch, 1908)
  • Rund um die elsässische Frage (1911)
  • Das Mädchen aus dem Osten (Erzählungen, 1911)
  • Schritt für Schritt (Roman, 1912)
  • Freitagskind (Roman, 1913; später u.d.Titel: Eine Kindheit)
  • Die Prophezeihung (Novellen, 1915)
  • Horns Ring (Roman, 1916)
  • Das Logbuch (Feuilletonsammlung, 1917)
  • Abenteurerin; Im dritten Jahr (Zwei Stücke, 1918)
  • Die Stadt des Hirns (Roman, 1919)
  • Das Ende der Revolution (1920)
  • Nein und Ja (Untertitel: Roman des Jahres 1917, 1920)
  • Dinge der Zeit (Buchausg. der „Fünf Hefte“, 1921)
  • Die moralische Idee (Untertitel: eine kritische Untersuchung, 1921)
  • Kaiserin Irene (Untertitel: 4 Aufzüge, 1921)
  • Das kleine Logbuch (1921)
  • Pandämonium (Untertitel: eine Philosophie des Identischen, 1921)
  • Ruland (Roman, 1922)
  • Die Simona (Roman, 1922)
  • Das neuantike Weltbild (Essays, 1922)
  • Deutsche Reden (1922)
  • Die Unvollendbarkeit der Welt (Untertitel: eine Chemie Gottes, 1923)
  • Zum guten Europäer (Untertitel: 12 Chroniken Werrenwags, 1924)
  • Die Zweite Jugend (Erzählung, 1924)
  • Der gute Weg (Roman, 1924)
  • Der Erkennende (Untertitel: Philosophie der Freiwerdung, 1927)
  • Der Sommerroman (1927)
  • Die erotische Freiheit (1928)

Werke Otto Flakes in seiner Baden-Badener Zeit

  • Die Scheidung (Erzählung, 1929)
  • Es ist Zeit (Roman, 1929)
  • Ulrich von Hutten (Biographie, 1929)
  • Marquis de Sade (Biographischer Essay, 1930)
  • Ausfahrt und Einkehr (Erzählungen und Reiseskizzen, 1931)
  • Bilanz (Untertitel: Versuch einer geistigen Neuordnung, 1931)
  • Die Geschichte Mariettas (1931)
  • Christa (Kinderroman, 1931)
  • Maria im Dachgarten und andere Märchen (1931)
  • Die französische Revolution 1789-1799 (1932)
  • Der Straßburger Zuckerbäck (1933)
  • Hortense oder die Rückkehr nach Baden-Baden (Roman, 1933)
  • Die Töchter Noras (Roman, 1934)
  • Die junge Monthiver (Roman, 1934)
  • Anselm und Verena (Roman, 1935)
  • Scherzo (Roman, 1936)
  • Sternennächte am Bosporus (Roman, 1936)
  • Schön Bärbel von Ottenheim (Novelle, 1937)
  • Türkenlouis (Biographie, 1937)
  • Personen und Persönchen (Roman, 1938)
  • Große Damen des Barock (Historische Miniaturen, 1940)
  • Straßburg (Untertitel: Geschichte einer deutschen Stadt, 1940)
  • Das Quintett (Roman, 1943)
    Die Deutschen (Aufsätze, 1946)
  • Fortunat (Roman, 1946)
  • Versuch über Stendhal (1946)
  • Old Man (Roman, 1947)
  • Amadeus (Erzählungen, 1947)
  • Die Söhne (Erzählungen, 1947)
  • Nietzsche (1947)
  • Der Reisegefährte (Erzählungen, 1947)
  • Der Handelsherr (Erzählung, 1948)
  • Kamilla (1948)
  • Die Sanduhr (Roman, 1950)
  • Die Monthiver-Mädchen (1952 Keppler, 1959 Mohn)
  • Schloß Ortenau (Roman, 1955)
  • Ich suche einen Mörder (1958)
  • Endstation Fallbeil (1959)
  • Es wird Abend (Autobiographie, 1960)
  • Der Pianist (Erzählung, 1960)
  • Über die Frauen (Aphorismen, 1961)
  • Der letzte Gott (Untertitel: das Ende des theologischen Denkens, 1961)
  • Spiel und Nachspiel (Zwei Romane, 1962)
  • Ballade in Dur (Erzählungen, 1963)
  • Lichtenthaler Allee (3 Romane: Hortense, Scherzo, Das Quintett, 1965)