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Figuren nach Wilhelm Busch von Robert Weigl: Büsten von Vetter Franz und der Frommen Helene
(c) Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover. Foto: Thomas Viering Figuren nach Wilhelm Busch von Robert Weigl: Büsten von Vetter Franz und der Frommen Helene (beide 1886), Wilhelm Busch.

Wilhelm Busch im Museum LA8

Baden-Baden (26.09.2018). Die Ausstellung „WILHELM BUSCH. Bilder und Geschichten.“ ist ab dem 29. September im Museum LA8 zu sehen. Vorgestellt wird der berühmte Schöpfer von Max und Moritz und der Frommen Helene in seiner Vielschichtigkeit anhand von Zeichnungen, frühen Drucken der Bildergeschichten und Gemälden.

Der begleitende Katalog zur Ausstellung stellt verschiedene Perspektiven auf Buschs kunst- und mediengeschichtliche Bedeutung zur Diskussion und berücksichtigt neue Ergebnisse der Comic-Forschung. Auch für die Ausstellung gilt: „Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.“. Viele der sprichwörtlich gewordenen Reime von Wilhelm Busch (1832–1908) klingen witzig, weil sie Alltägliches dichterisch überhöhen, um hinter solchem Witz ihren Tiefgang zu verstecken.

Schöpfer der berühmten Bildergeschichten

Die Leihgaben aus dem Wilhelm Busch Museum in Hannover und weiteren renommierten privaten und öffentlichen Sammlungen, zeigen den Schöpfer der berühmten Bildergeschichten als sehr genauen Beobachter der kleinen Dinge und der großen gesellschaftlichen Fragen seiner Zeit. Einerseits verarbeitete er Einflüsse aus alten Tierfabeln, Märchen und Heiligenlegenden, andererseits thematisierte er die neuesten „Näh-, Mäh- und Waschmaschinen“, die Fotografie und das moderne Zeitungswesen.

Vor allem war er innovativ und erfindungsreich in seinen von Tempo getragenen Bildsequenzen. Ihm gelang eine Art Film vor dem Film. Die rasante gesellschaftliche und technische Entwicklung seiner Zeit vermochte Wilhelm Busch mit dem Erzähltempo seiner unterhaltsamen Gebrauchskunst getreuer in Bilder zu fassen, als die repräsentative Hochkunst vieler Malerfürsten es vermochte.

Nicht zuletzt seine Lautschöpfungen von „Ritzeratze!“, „Schluppdiwutsch“, „Platsch“ bis „Kracks!“ zeigen ihn als entscheidenden Wegbereiter einer neuen Populärkultur. In Windeseile verbreiteten sich seine Geschichten, angeführt von Max und Moritz, in Europa und bis nach Amerika, wo sie sich am Anfang des 20. Jahrhunderts in der neuen Welt der Comicstrips weiterentwickelten.

Porträt von Wilhelm Busch
Zeichnung von Max und Moritz. Max füllt ein Pulver in eine Pfeife die Moritz hält.
Ölgemälde eines Schreibtisches und Stuhls

Busch als innovativer Landschafts- und Bildnismaler

Die Ausstellung führt vor Augen, dass Busch auch ein innovativer Landschafts- und Bildnismaler zwischen Naturbeobachtung und gestischer Erfindung war. Er experimentierte mit einer Art malerischer Direktheit, deren radikales Programm erst Jahrzehnte später in Künstler-Manifesten auf Begriffe und Thesen gebracht wurde. Seine kleinen Landschaften leben aus der Spannung ihres gleichzeitigen Erscheinens und Verschwindens: Mit festem Strich sind die Bäume und Durchblicke ins Bild gesetzt und zugleich scheint derselbe Strich die Landschaftsimpression durchzustreichen.

Während seine Bildergeschichten für Busch zu großen publizistischen und finanziellen Erfolgen wurden, entwickelte sich seine Malerei abgewandt von der Öffentlichkeit. Beide Schaffensbereiche sind künstlerisch verbunden durch das Unfertige: meisterhaft zu Bildwitz und Tempo stilisiert in den Bilderfolgen, hochoriginell und unverstanden seiner Zeit voraus in der Malerei.

Kein frommer oder weltanschaulicher Kitsch

Hochallergisch gegen frommen oder weltanschaulichen Kitsch, zeigt uns Busch keine Heiligen, die selbstlos Gutes tun, keine Kinder, die nur lieb und nie aggressiv, keine Erziehungsberechtigten, die nur vorbildlich, keine Haustiere, die stets gehorsam sind.

In dieser scharf beobachteten Alltagswelt bekommt selten jemand recht, auch nicht der Betrachter und Leser, wenn er leichte Unterhaltung mit einem Schuss moralischer Erbauung erwartet). Fertig werden Buschs Bildergeschichten oft im maximal Unfertigen, im Chaos zerbrochener Möbelstücke oder Lebensläufe als Schlussbild. Vorher reist die Unberechenbarkeit kindlicher Streiche, tierischer Wildheit oder der Tücke des Objekts die Figuren explosionsartig aus ihren Alltagsverrichtungen: „Rums!! – Da geht die Pfeife los“.

Plötzlich ist der sprichwortfromme, selbstzufriedene Tagesablauf unterbrochen. Für einen kurzen Moment sind alle Widersprüche des Alltags aufgehoben in einer Dialektik ohne Synthese, und alles schwebt ohne Moral, ohne Zweck, ohne faulen Kompromiss umher, jenseits von Gut und Böse.