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„Risiko-Check Drogen“: kostenfreies Angebot für Jugendliche

Baden-Baden (17.05.2021). Cannabis ist die illegale Droge, die am ehesten von Jugendlichen ausprobiert und regelmäßig konsumiert wird. Das kann in vielen Fällen Probleme nach sich ziehen wie zum Beispiel eine Anzeige wegen Drogenbesitzes, den Verlust der Fahrerlaubnis oder dass der Führerschein erst gar nicht gemacht werden darf bis hin zu Problemen in Schule und Ausbildung.

Spagat zwischen Akzeptanz und Ablehnung

In Zeiten, in denen sowohl global als auch national der Ruf nach Lockerungen in der repressiven Drogenpolitik immer lauter wird, ist der Spagat zwischen Akzeptanz und Ablehnung von Konsum gerade für Jugendliche nicht immer ganz einfach. Hinzu kommt der Eindruck bei Jugendlichen, dass „Kiffen“ etwas ganz Normales ist, etwas, das fast alle machen.

Seit mittlerweile sechs Jahren führt die Fachstelle Sucht Rastatt/Baden-Baden das Frühinterventionsprogramm „Risiko-Check Drogen“ für erstauffällige Drogenkonsumenten im Alter von 14 bis 21 Jahren durch. In Kooperation mit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Jugendgerichtshilfe sowie mit den Kommunalen Suchtbeauftragten der Stadt Baden-Baden und des Landkreises Rastatt wurde das Konzept für den Risiko-Check entwickelt.

Begleitet wird der Risiko-Check Drogen durch eine Steuerungsgruppe, die von den beiden Kommunalen Suchtbeauftragten geleitet wird. „Das Ziel ist es, bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Konsumgewohnheiten anzuregen“ informiert der Projektleiter und Suchttherapeut Kai Bayerl von der Fachstelle Sucht. „Nur mit Verboten und harter Hand kommen wir hier nicht weiter.“

Übergangsphase ins Erwachsenenleben

Ebenso wenig reicht eine wohlwollende Begleitung für die gewünschte Verhaltensänderung aus. Entscheidend ist, dass die Jugendlichen ihren Konsum unter verschiedenen Aspekten betrachten können. Hierzu gehören die rechtlichen Rahmenbedingungen, gesundheitliche Auswirkungen und soziale Konsequenzen des Drogenkonsums. Ein guter Schulabschluss oder der Erwerb des Führerscheins vertragen sich nicht mit dem Kiffen.

„So offen konnte ich noch nie über meinen Konsum sprechen. Das kenne ich sonst gar nicht!“, berichtet ein Teilnehmer am Risiko-Check Drogen, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der Kurs bietet den jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern den notwendigen Raum, ohne Angst vor Verurteilung oder Strafe über ihren Konsum sprechen können.

Jugendliche befinden sich in einer Übergangsphase ins Erwachsenenleben. Mit jedem Jahr dürfen sie über immer mehr Angelegenheiten selbst entscheiden. Zu diesen persönlichen Entscheidungen gehören zum Beispiel die Frage der Berufswahl und des Freundeskreises. Alkohol ist überall verfügbar und Cannabis leicht erhältlich. Viele Jugendliche beginnen mit dem Probierkonsum.

Weitere Informationen

Für die meisten bleibt das eine Phase, die wieder vorbeigeht. Bei anderen verfestigt sich der Konsum. Früher oder später tauchen dann die Fragen nach dem eigenen Konsumverhalten auf: „Möchte ich Alkohol zu mir nehmen? Will ich trotz Illegalität weiterhin Cannabis oder andere Substanzen konsumieren?“ Jugendliche kommen nicht darum herum, eine Entscheidung zu treffen.

Dabei hilft eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Kiffen. Wichtig ist, dass jeder Jugendliche selbst über seinen eigenen Konsum entscheiden kann und letztlich auch muss. Viele Jugendliche entscheiden sich am Ende des Kurses dafür, den Konsum von Cannabis zu beenden oder wenigstens zu reduzieren.

Jugendliche, die ihren Cannabiskonsum nicht mehr alleine beenden können, erhalten ein weitergehendes Beratungs- und Unterstützungsangebot der Fachstelle Sucht. Die Teilnahme am Kurs ist kostenfrei. Die Kurse finden aktuell trotz der Pandemie statt. Information und Anmeldung ist möglich bei Kai Bayerl, Fachstelle Sucht Rastatt, Telefon 07222 4058790, E-Mail: