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Dr. Bela Bender, im Forstamt für den Naturschutz zuständig, erläuterte Nico Fricke vom BT gemeinsam mit Forstamtsleiter Thomas Hauck (von rechts) im Übelsbachtal die prekäre Situation der Amphibien und zeigte auf, welche Gegenmaßnahmen bereits ergriffen w
Dr. Bela Bender, im Forstamt für den Naturschutz zuständig, erläuterte Nico Fricke vom BT gemeinsam mit Forstamtsleiter Thomas Hauck (von rechts) im Übelsbachtal die prekäre Situation der Amphibien und zeigte auf, welche Gegenmaßnahmen bereits ergriffen wurden.

Forstrundfahrt 2022 mit vielfältigen Themen

Baden-Baden (18.08.2022). Es sind keine einfachen Zeiten, in denen wir uns befinden. Das wurde auch bei der diesjährigen Forstrundfahrt mit Vertretern des städtischen Fachgebiets Forst und Natur, Erstem Bürgermeister Alexander Uhlig sowie Vertretern der Presse klar. Die vielfältigen Themen, die das Team um Forstamtsleiter Thomas Hauck aufbereitet hatten, hatten alle mit dem „Klimawandel“ zu tun.

Amphibienpopulation am Übelsbachtal

Erste Station war das Übelsbachtal, wo Dr. Bela Bender, im Fachgebiet für das Thema Naturschutz zuständig, verdeutlichte, wie die trockene Hitze nicht nur uns, sondern insbesondere auch den Amphibienpopulationen zu schaffen macht. „Schon die Dürreperioden der vergangenen Jahre hatten verheerende Folgen. Und gerade die Häufung dieser Extremereignisse beschleunigen den Verlust ganzer Teilpopulationen.“ Der Experte ging auf die rückläufigen Zahlen von 40 bis 60 Prozent bei den jährlichen Amphibiensammlungen entlang der Straßen und die Reduktion eines wichtigen Teillebensraums ein, wenn Tümpel, Teiche und Seen immer weniger Wasser haben.

Gerade die Grasfroschbestände am unteren Waldsee seien trotz Amphibienanlage stark eingebrochen, Kreuzkröten- und Wechselkrötenbestände im Westen des Stadtkreises sind ebenfalls rückläufig. Bender benannte aber auch die bereits ergriffenen Maßnahmen des Forstamts, um den genannten Problemen entgegenzuwirken. So werden gezielt kleine Tümpel neu angelegt und durch die Sanierung bestehender Gewässer zusätzlicher Lebensraum geschaffen. „Es ist Not am Mann“, beschrieb der Naturschutzexperte die aktuelle Situation und verwies darauf, dass „unser oberstes Ziel ist, nachhaltige Lösungen zu schaffen.

Dürre und ihre Auswirkungen auf den Wald

Dürre Bäume und PflanzenBild vergrößern
Dürre Bäume und Pflanzen, wohin man schaut – auch im Baden-Badener Stadtwald sind die Auswirkungen des langanhaltend heißen Sommers deutlich zu sehen.

Über die Dürre und ihre Auswirklungen auf den Wald ging es beim nächsten Stopp. Thomas Hauck und sein Stellvertreter Robert Lang betonten, dass trotz des vergangenen niederschlagsreichen Jahres auch noch die regenarmen Jahre 2018 bis 2020 im Stadtwald zu spüren seien. So stellten etliche Bäume aufgrund der langanhaltenden Hitze und der ausbleibenden Niederschläge in diesem Sommer in den Notfallmodus um und werfen ihre Blätter verfrüht ab. Dies alles, um die Verdunstung von Wasser über die Blätter zu stoppen.

Besonders schwierig wird dies für Bäume, die auf sowieso schon schlecht wasserversorgten Standorten wie etwa Südhängen, Felsstandorten und Sandböden stehen. „Rund ein Viertel der Waldstandorte im Stadtwald sind den mäßig trockenen bis sehr trockenen Wasserhaushaltsstufen zuzuordnen. Hier sind die Auswirkungen des Klimawandels besonders deutlich zu sehen“, so Forstamtsleiter Hauck. Entscheidend für die Zukunft der Wälder sei deshalb, den Klimawandel zu bremsen und die CO²-Emissionen zu reduzieren.

Deshalb werden im Stadtwald auch Holzvorräte aufgebaut und die notwendigen Eingriffe auf die Förderung klimastabilerer Baumarten und die Waldinnenstruktur konzentriert. Damit kann die Naturverjüngung aufwachsen und es bleibt ein gesundes Waldinnenklima erhalten. „Besonders wichtig ist hier auch die Rolle des Waldes als Trinkwasserspeicher für die Stadt, als Schutz gegen Hochwasser und ganz wichtig die Zufuhr von frischer und kühler Luft für die Stadt“, so Hauck abschließend.

Waldbrandsituation

Thomas Hauck (links) und Andreas Wilhelm zeigen eine aktuelle Brandstelle nahe der Bußackerhütte Bild vergrößern
Thomas Hauck (links) und Andreas Wilhelm zeigen eine aktuelle Brandstelle nahe der Bußackerhütte – verursacht von Menschen und nicht leicht zugänglich für die Feuerwehr, die den Brand löschen musste.

Auf die sehr hohe Waldbrandsituation machte Andreas Wilhelm von der Feuerwehr anschließend aufmerksam und beschrieb, wie schnell ein Feuer im Wald entstehen und wie schwierig so eine Brandbekämpfung sein kann. Dabei seien menschliches Handeln, also die zunehmende freizeitliche Nutzung der Wälder, aber auch das Klima- und Witterungsgeschehen die maßgeblichen Ursachen für die Entstehung von Wald- und Vegetationsbränden.

Wilhelm erläuterte die Problematik näher: So sei der Wald in Baden-Baden durch eine große Fläche jüngerer Waldbestände, die durch den Orkan Lothar entstanden sind, geprägt. Diese Bestände seien nun rund 20 Jahre alt und zeigten aufgrund ihrer geringeren Höhe eine höhere Brandgefahr. Zwar zeichneten sich diese Wälder durch einen sehr hohen Anteil von nicht so feuergefährlichen Laubbäumen aus, aber auf rund einem Viertel dieser Flächen – etwa 550 Hektar – seien höhere Nadelbaumanteile vorhanden. Die Brände im Stadtkreis seien bisher zwar glimpflich verlaufen und konnten dank der schnellen Meldung und dann Reaktion der Feuerwehr rasch gelöscht werden. Doch gelte nach wie vor äußerste Vorsicht bei Betätigungen im Wald.

So bestehe weiterhin generelles Rauchverbot und das Verbot von offenem Feuer. Dies gilt jetzt auch für die Grillplätze mit ausgewiesenen Feuerstellen, was vom Forst auch kontrolliert werde. Forstamtsleiter Thomas Hauck konnte hier allerdings auch Positives vermelden: So gab es bei den letzten Kontrollen der kurstädtischen Grillstellen am vergangenen Wochenende „keine Verstöße“. Andreas Wilhelm wies in diesem Zusammenhang darauf hin, wie wichtig die frühzeitige Information der Feuerwehr sei, wenn ein Besucher im Wald Feuer oder Rauchentwicklung sehe: „Bitte setzen Sie umgehend einen Notruf ab, und wählen die 112. Damit unterstützen Sie die Arbeit unserer Feuerwehr wirklich sehr!“

Mit Gewalt in den Wald

Thomas Hauck an einer herkömmlichen Schranke im Wald Bild vergrößern
Thomas Hauck an einer herkömmlichen Schranke im Wald – bald wird es auch dort eine Halbschranke geben, um dem Vandalismus vorzubeugen.

Dass es nichts bringt, mit Gewalt in den Wald zu gehen und Vandalismus an Schranken auszuüben, verdeutlichte Thomas Hauck beim nächsten Halt. So sei Autofahren im Wald nicht erlaubt, da er Lebensraum und Rückzugsort für viele Tiere ist, die außerhalb des Waldes durch den Kraftfahrzeugverkehr gefährdet sind. Dazu zählen etwa Amphibien wie Feuersalamander und der Grasfrosch. Zudem finde man Erholung im Wald am besten ohne Motorenlärm und aufgewirbelten Staub. Deshalb wird für verbotswidriges Fahren mit Kraftfahrzeugen jeder Art im Wald ein Bußgeld fällig – außer für Waldarbeiter, Förster und Jäger, die vor Ort tätig sind.

Allerdings, so Hauck weiter, gebe es regelmäßig unberechtigte Personen, die im Stadtwald unterwegs seien und erholungssuchende Menschen stören und Tiere gefährden. An den hierfür vom Forstamt an den Waldeingängen aufgestellten Schranken wurden allerdings in der Vergangenheit an manchen Stellen hin und wieder Schlösser sabotiert, um eine Durchfahrt zu erzwingen. In letzter Zeit habe die Zerstörungswut allerdings stark zugenommen, so Hauck, so dass man seit dem letzten Jahr nur noch Halbschranken aufgestellt habe, die für Radfahrer, Rollstuhlfahrer und Fußgänger mit Kinderwagen leichter passierbar sind.

„Doch auch hier haben wir festgestellt, dass nun die Schranken mit Gewalt umgebogen oder abgebrochen werden. Besonders dreiste Zeitgenossen schrecken auch nicht davor zurück, mit der Flex die Schranke abzuschneiden“, ärgert sich der Forstamtsleiter zu Recht und berichtet weiter: „Eine Halbschranke kostet im Einkauf rund 2.500 Euro zuzüglich der Montagekosten. Seit Ende 2020 mussten wir einen fünfstelligen Betrag in die Schranken investieren – und dieser Schaden ist für die Stadt hoch und völlig unnötig!“ Hauck verwies abschließend auch nochmals darauf, dass alle Sachbeschädigungen zur Anzeige gebracht und unberechtigte Fahrzeuge im Wald angezeigt werden.

Wasserentnahme an Brunnen im Wald

Das Hinweisschild am Brunnen bei der Bußackerhütte weist auf das Wasserentnahmeverbot hin. Bild vergrößern
Das Hinweisschild am Brunnen bei der Bußackerhütte weist auf das Wasserentnahmeverbot hin.

Auch über das Thema „Wasserentnahme an Brunnen im Wald“ informierte das Forstamtsteam bei der Rundfahrt und wies auf die bereits langanhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen hin, so dass die Fließgewässer und Seen im Stadtgebiet nur noch sehr wenig Wasser führten. Da auch die Quellen und gefassten Quellen Bestandteil der oberirdischen Gewässer sind, eine zusätzliche Wasserentnahme im Rahmen des Gemeingebrauchs die Gefahren einer Beeinträchtigung oder Schädigung der Gewässerökologie verschärften und das Überleben von Wassertieren und Pflanzen bedrohten und auch in den nächsten Wochen keine überproportional hohen Niederschläge erwartet werden, gilt bis auf Weiteres das Entnahmeverbot von Wasser.

Dies sei nötig, so Thomas Hauck, „da häufig Wasser in großen Mengen abgezapft wird. Teilweise sind das mehrere hundert Liter Wasser, gerade bei Brunnen, die gut mit dem Fahrzeug zu erreichen sind.“ Hauck betonte, dass solche Verstöße gegen die vom städtischen Fachgebiet Umwelt erlassene Allgemeinverfügung kein Kavaliersdelikt seien und mit Bußgeld geahndet werden.

Brennholznachfrage

Zum Abschluss der Forstrundfahrt ging es um die Brennholznachfrage. Wie Thomas Hauck und Robert Lang berichteten, sei bedingt durch die Lieferunsicherheit, Knappheit und damit einhergehende Verteuerung von Gas und Erdöl die Nachfrage nach Brennholz enorm angestiegen. „Wer schon einen Ofen besaß, will sich einen größeren Holzvorrat anschaffen als bisher. Hinzu kommen viele Neukunden, die erstmals mit Holz heizen werden. Diesen großen Bedarf können wir in dem gewünschten Umfang nicht befriedigen, sodass wir die Abgabe von Brennholz klar reglementieren müssen“, so die beiden Forstexperten.

Das bedeutet, dass bei Händlern Brennholz nur an langjährige Kunden abgeben wird und bei Privathaushalten Baden-Badener Bürgerinnen und Bürger Vorrang vor Interessenten aus anderen Gemeinden haben. „Das Forstamt behält sich vor, die Abgabe von Brennholz an Privathaushalte wie auch Händler nach oben zu begrenzen. Selbstverständlich wird sich, den Gesetzen des Marktes folgend, auch der Preis für Brennholz in der kommenden Saison auf einem deutlich höheren Niveau einpendeln als bisher“, so Hauck und Lang abschließend.