Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen beantragen

Bild vergrößern
©cameraobscura

Sie haben eine dauerhafte körperliche, geistige oder seelische Behinderung, die Sie wesentlich in Ihrer Fähigkeit, an der Gesellschaft teilzunehmen, einschränkt? Oder Sie sind von einer solchen Behinderung bedroht?

Dann können Sie Eingliederungshilfe erhalten. Diese soll eine drohende Behinderung vermeiden oder eine Behinderung oder deren Folgen beseitigen oder mildern.

Eingliederungshilfe kann vor allem die folgenden Leistungen betreffen:

  • Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung
  • Unterstützung in der Ausbildung und im Studium
  • Hilfen für die Teilhabe am Arbeitsleben (z.B. in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen).

Die Leistungen der Eingliederungshilfe können sowohl Geld- als auch Sachleistungen oder persönliche Hilfen sein. Umfang oder Höhe der Leistungen hängt ab

  • von Art und Schwere der Behinderung und
  • von Ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen.

Bei der Berechnung der Höhe der Eingliederungshilfe berücksichtigt die zuständige Stelle sowohl das eigene Einkommen als auch das von unterhaltspflichtigen Verwandten. Für die Eltern von volljährigen behinderten oder pflegebedürftigen Kindern gelten dabei Begrenzungen der Unterhaltspflicht nach § 94 Zwölftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII).

Sie können die Eingliederungshilfe auch als Persönliches Budget erhalten. Damit können Sie anstelle von Dienst- und Sachleistungen ein Budget wählen und Leistungen zur Teilhabe selbständig einkaufen und bezahlen. Üblicherweise erhalten Sie eine Geldleistung, in begründeten Fällen auch Gutscheine.

Hinweis: Das Persönliche Budget soll Ihren individuellen Bedarf decken. Es soll aber die Höhe der Kosten aller individuell festgestellten, ohne das persönliche Budget zu erbringenden Leistungen, nicht übersteigen.

Anspruch auf Eingliederungshilfe haben Sie, solange Aussicht besteht, dass das Ziel der Eingliederungshilfe erfüllt werden kann. Je nach Einzelfall kann das unterschiedlich lange sein.

Schwerpunkt der Zusammenarbeit

Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt je nach Alter und Bedarf des Behinderten bei den Frühförderstellen, dem stattlichen Schulamt, bei anerkannten Werkstätten für Behinderte, den Trägern der freien Wohlfahrtspflege, bei Heimen, aber auch bei Arbeitsagentur, Krankenkasse oder Rententräger.

Leistung

Die Hilfe richtet sich nach der Besonderheit des Einzelfalles nach Art und Schwere der Behinderung. Es sind neben allgemeiner Beratung z.B. folgende Leistungen möglich:

  • Frühfördermaßnahmen bis zur Einschulung
  • Diagnostik der Frühförderstellen
  • Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung, z.B. Besuch von privaten Sonderschulkindergärten oder Sonderschulen
  • Integrative Maßnahmen in Regelkindergärten und -schulen
  • Kurzzeitunterbringungen
  • Familienentlastende Maßnahmen
  • Hilfe zur schulischen Ausbildung für einen angemessenen Beruf
  • Hilfe in anerkannten Werkstätten für Behinderte
  • Hilfe in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe (Wohnen in Heimen)
  • Nachsorgeangebote in der Suchthilfe
  • Ambulant betreute Wohnangebote
  • Einmalige Hilfen zur Beschaffung von Hilfsmitteln

Eingliederungshilfe wird auf Antrag gewährt, frühstens ab Bekanntwerden der Notlage, und ist in Teilbereichen einkommens- und vermögensabhängig.

Voraussetzungen

Voraussetzung ist, dass

  • Sie eine dauerhafte wesentliche Behinderung (körperlich, geistig oder seelisch) haben oder davon bedroht sind und
  • dadurch Ihre Teilhabefähigkeit am Leben in der Gesellschaft wesentlich eingeschränkt ist.

Verfahrensablauf

Vereinbaren Sie bei der zuständigen Stelle einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch. Dabei können Sie auch klären, welche Unterlagen Sie vorlegen müssen, da dies von Fall zu Fall verschieden sein kann. Wenn alle Unterlagen vorliegen, prüft die zuständige Stelle aufgrund Ihrer Angaben, ob bzw. in welcher Höhe Sie Eingliederungshilfe erhalten.

Nach der Prüfung Ihres Antrages erhalten Sie einen Bewilligungs- oder einen Ablehnungsbescheid.

Hinweis

Die Antragsunterlagen können telefonisch angefordert werden. Vor Antragsstellung wird ein Beratungsgespräch empfohlen.

Fristen

Stellen Sie Ihren Antrag so früh wie möglich Eingliederungshilfe können Sie nicht für die Vergangenheit erhalten.

Erforderliche Unterlagen

Je nach Einzelfall sind verschiedene Nachweise erforderlich, beispielsweise

  • Einkommensnachweise (z.B. Rentenbescheide, Gehaltszettel)
  • Nachweise über Ausgaben
  • Vermögensnachweise (z.B. Sparbücher, Bausparverträge)
  • ärztliche Gutachten und Unterlagen.

Hinweis: Erkundigen Sie sich schon vor der Antragstellung bei der für Sie zuständigen Stelle, welche Unterlagen Sie vorlegen müssen.